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Vom Protest zum Netzwerk: Was hinter der Gruppe „Zusammenhalt“ steckt

16. August 2026 // geschrieben von Manfred

Aus einer kleinen Facebook-Gruppe wurde innerhalb weniger Jahre ein regionales Netzwerk mit inzwischen 435 Mitgliedern. „Zusammenhalt Elz/Limburg/Diez/Hadamar/WW/Blaues Ländchen“ vermittelt Kontakte und Jobs, organisiert Hilfe, unterstützt Gastronomen und beteiligt sich auch an politischen Aktionen. Viele Mitglieder kommen aus dem regierungskritischen Umfeld der vergangenen Jahre – doch eine Parteiorganisation will die Gruppe ausdrücklich nicht sein. Was steckt hinter dieser ungewöhnlichen Initiative?

Beim AfD-Stammtisch im Blauen Ländchen hatten wir „Zusammenhalt“ zuletzt nur kurz vorgestellt. Sascha Eller und Gerhard Busch nutzten den Abend, um Geschichte, Ziele und Arbeitsweise der Gruppe ausführlicher zu erläutern.

Schon damals war klar: Diese Initiative verdient einen eigenen Blick.

Denn „Zusammenhalt“ ist weder klassische Bürgerinitiative noch Verein, weder Partei noch bloße WhatsApp-Gruppe. Es ist vielmehr ein regionales Netzwerk, das politische Kritik, persönliche Kontakte und ganz praktische gegenseitige Hilfe miteinander verbindet.

Und dieses Netzwerk wächst.

Beim Vortrag in Holzhausen nannten Eller und Busch noch 414 Mitglieder. Nur wenige Tage später sind es bereits 435. Auch der Name wurde inzwischen erweitert: Die Gruppe nennt sich heute „Zusammenhalt Elz/Limburg/Diez/Hadamar/WW/Blaues Ländchen“.

Einen längeren Ausschnitt aus der Vorstellung von Eller und Busch veröffentlichen wir begleitend zu diesem Artikel als Video.

Vom kleinen Facebook-Kreis zum regionalen Netzwerk

Die Geschichte beginnt nach Ellers Darstellung bereits 2015 und 2016.

Damals habe sich zunächst ein kleiner Kreis von Menschen zusammengeschlossen, die insbesondere die damalige Migrationspolitik kritisch sahen. Eine Facebook-Gruppe entstand, in der anfangs nicht einmal ein Dutzend Personen aktiv gewesen sei.

Es war noch kein Netzwerk im heutigen Sinne. Menschen mit ähnlichen politischen Zweifeln fanden zunächst schlicht zueinander.

Der entscheidende Wachstumsschub kam während der Corona-Zeit.

Menschen trafen sich auf Demonstrationen und Spaziergängen, protestierten gegen Maßnahmen, gegen eine mögliche Impfpflicht und gegen eine Politik, die sie zunehmend als übergriffig empfanden. Persönliche Kontakte entstanden, aus virtuellen Bekanntschaften wurden reale. Eller schilderte bei seinem Vortrag durchaus handfeste Erfahrungen aus dieser Zeit – von Demonstrationen in Frankfurt und Koblenz bis zu regionalen Aktionen.

Viele derjenigen, die sich damals kennenlernten, sind bis heute miteinander verbunden.

Danach folgte die Ahrtalflut.

Bereits wenige Tage nach der Katastrophe seien Mitglieder spontan ins Ahrtal gefahren und hätten dort mit angepackt. Für Eller war gerade diese Erfahrung prägend. Sein Eindruck: Vieles, was damals kurzfristig funktionieren musste, sei nicht durch große Strukturen, sondern durch Privatpersonen, Helfernetzwerke und Improvisation bewältigt worden.

Aus politischer Opposition entwickelte sich damit zunehmend etwas anderes: die Erfahrung, dass ein Netzwerk auch ganz praktisch nützlich sein kann.

Der nächste Schub folgte Anfang 2024 mit den Bauernprotesten. Mitglieder beteiligten sich an den Aktionen, Landwirte kamen hinzu, neue Kontakte entstanden.

Heute umfasst „Zusammenhalt“ nach aktuellem Stand 435 Menschen.

Nicht nur reden – sondern helfen

Der entscheidende Unterschied zu zahllosen politischen Chatgruppen liegt nach Darstellung der Initiatoren darin, dass man nicht bei Nachrichten, Memes und politischen Links stehen bleiben will.

Die eigentliche WhatsApp-Gruppe funktioniert eher wie ein Informations- und Organisationskanal. Die Administratoren informieren über Veranstaltungen, Hilfsfälle und Aktionen. Daneben gibt es regelmäßig Treffen im echten Leben – Grillabende, Stammtische oder gemeinsame Veranstaltungen.

Vor allem aber soll das Netzwerk helfen, wenn eines seiner Mitglieder ein Problem nicht alleine lösen kann.

Eller und Busch nannten dafür mehrere Beispiele.

Ein junger Mann verlor durch die Insolvenz seines Ausbildungsbetriebs plötzlich seine Lehrstelle. Das Problem wurde in die Gruppe gegeben. Noch am selben Tag gingen mehrere alternative Ausbildungsangebote ein.

In einem anderen Fall verlor ein Mitglied seinen Arbeitsplatz. Auch hier entstanden über persönliche Kontakte neue Möglichkeiten.

Bei Job-, Wohnungs- oder persönlichen Problemen versuchen die Administratoren nach eigener Darstellung, passende Menschen zusammenzubringen. Nicht jedes Problem lasse sich lösen, nicht jeder Hilferuf führe automatisch zu finanzieller Unterstützung. Wo Geld oder andere konkrete Hilfe gefragt seien, werde vorher geprüft, ob und wie geholfen werden könne.

Die Namen der beteiligten Unternehmen nennen wir bewusst nicht. Solche persönlichen Vermittlungen funktionieren nur dann, wenn ein Betrieb, der unkompliziert einem Menschen hilft, nicht anschließend ungefragt Bestandteil einer politischen Berichterstattung wird.

Was dabei entsteht, lässt sich vielleicht am ehesten als organisierte Nachbarschaftshilfe mit einem deutlich größeren Adressbuch beschreiben.

Martha und der Wunsch, noch einmal das Meer zu sehen

Besonders anschaulich wird das bei der Geschichte der neunjährigen Martha.

Das an einem Hirntumor erkrankte Mädchen hatte einen großen Wunsch: noch einmal das Meer sehen.

Aus der Region kamen dafür 21.137 Euro zusammen. Den symbolischen Spendenscheck übergaben Markus Stillger und Thorsten Wörsdörfer von der Max-Stillger-Stiftung gemeinsam mit Sascha Eller von „Zusammenhalt“. Für die Reise musste aufgrund der Erkrankung auch eine funktionierende medizinische Betreuung sichergestellt werden.

Im Vortrag erzählte Eller den Fall ebenfalls. Über Kontakte zur Max-Stillger-Stiftung sei die Hilfsaktion organisiert und unterstützt worden.

Gerade dieser Fall zeigt ziemlich gut, was die Initiatoren unter „Vernetzung“ verstehen.

Jemand erfährt von einem Problem. Jemand kennt jemanden, der helfen kann. Kontakte werden hergestellt. Menschen spenden. Eine Stiftung übernimmt eine Rolle. Und aus einem Wunsch, der für eine einzelne Familie kaum zu stemmen wäre, wird ein gemeinsames Projekt.

Das ist zunächst einmal ziemlich unspektakulär. Und gerade deshalb bemerkenswert.

Denn während Politik häufig über große gesellschaftliche Probleme diskutiert, beginnt diese Form von Hilfe bei einer konkreten Person.

Markus Stillger – und eine unerwartete Verbindung

Markus Stillger und seine Max-Stillger-Stiftung spielen bei solchen Hilfsaktionen immer wieder eine Rolle.

Für Leser des Fingerklopfers ist der Name allerdings auch aus einem ganz anderen Zusammenhang interessant.

Bei unseren Recherchen zur Sozialstiftung für Kinder und Jugendliche des Landkreises Limburg-Weilburg stießen wir darauf, dass die Max-Stillger-Stiftung diese Kreis-Stiftung in ihrer Satzung als mögliche Begünstigte im Falle eines Vermögensanfalls nennt.

Genau diese Sozialstiftung beschäftigt uns seit Ende Juni intensiv.

In unserem Artikel „Kinder-Sozialstiftung des Landkreises: Was wusste wer – und seit wann?“ haben wir die offenen Fragen rund um Gemeinnützigkeit, Rechnungslegung und Verantwortlichkeiten erstmals ausführlich aufgearbeitet. Der Fingerklopfer konnte dabei unter anderem zeigen, dass auch Drittstiftungen wie die Max-Stillger-Stiftung durch die Probleme mittelbar berührt werden könnten, weil sie die Kreis-Stiftung als mögliche Vermögensempfängerin benannt haben.

Wenig später bestätigte das Regierungspräsidium Gießen einen erheblichen Teil der Problematik. In unserem Folgeartikel „Kinder-Sozialstiftung: Regierungspräsidium bestätigt fehlende Jahresrechnungen seit 2015“ berichteten wir über die Antwort der Stiftungsaufsicht.

Eine Abgrenzung ist dabei wichtig:

Die Max-Stillger-Stiftung und Markus Stillger haben mit den von uns thematisierten Versäumnissen der Kreis-Stiftung nichts zu tun.

Im Gegenteil: Die Verbindung ergibt sich lediglich daraus, dass die Max-Stillger-Stiftung diese andere Stiftung in ihrer eigenen Satzung berücksichtigt hat und deshalb von deren Problemen mittelbar betroffen sein kann. Die Stiftung Stillgers ist hier also nicht Teil des Problems, sondern eher eine jener Institutionen, auf die sich die ungeklärte Situation der Kreis-Stiftung auswirken kann.

Der Kontrast ist dennoch auffällig.

Während bei der Kreis-Stiftung inzwischen Fragen zu über Jahre fehlenden Unterlagen und ihrer Gemeinnützigkeit im Raum stehen, erleben wir die private Max-Stillger-Stiftung vor Ort bei sehr konkreten Hilfsprojekten – wie im Fall Martha.

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Ein Netzwerk von A bis Z

Eller beschreibt die Zusammensetzung der Gruppe gern mit einem einfachen Bild: von A bis Z – von der alleinerziehenden Mutter bis zum Zahnarzt.

Tatsächlich ist genau diese Mischung der eigentliche Wert eines solchen Netzwerks.

Nach Angaben der Initiatoren finden sich darin Unternehmer, Selbständige, Handwerker, Ärzte, Juristen, Landwirte und Politiker unterschiedlicher Ebenen.

Jeder bringt etwas anderes mit.

Wer einen Arbeitsplatz sucht, kennt vielleicht niemanden in der richtigen Branche – aber jemand anderes in der Gruppe schon.
Wer juristischen Rat benötigt, findet möglicherweise einen Anwalt.
Wer medizinische Fragen hat, kennt jemanden, der wiederum einen passenden Facharzt kennt.
Wer einen Handwerker sucht, kann auf Menschen aus der Region zurückgreifen.

Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich alt.

Früher wusste man im Dorf, wer Elektriker war, wer einen Anhänger hatte, wer beim Hausbau helfen konnte oder wer jemanden kannte, der ein Problem lösen konnte.

„Zusammenhalt“ versucht, dieses Prinzip in einem größeren regionalen Netzwerk wieder herzustellen.

Busch berichtete beispielsweise von Listen regionaler Unternehmen, Kenntnissen und Fähigkeiten. Daneben existieren Sammlungen mit Direktvermarktern, Wasserstellen und weiteren regional nützlichen Informationen.

Dabei schwingt teilweise auch ein gewisses Krisenvorsorge-Denken mit. Nicht jedes Szenario, über das innerhalb solcher Netzwerke gesprochen wird, muss eintreten. Aber die Erfahrung von Corona, Ahrtal und anderen Krisen hat bei vielen Beteiligten offenbar das Vertrauen darin reduziert, dass im Ernstfall schon irgendeine staatliche Stelle alles regeln werde.

Die Antwort darauf lautet: Kontakte aufbauen, bevor man sie benötigt.

Politisch offen – aber sicher nicht unpolitisch

Eine politisch neutrale Gruppe im klassischen Sinne ist „Zusammenhalt“ nicht. Das würde schon die eigene Entstehungsgeschichte unglaubwürdig machen.

Migration, Corona-Maßnahmen, Energiepolitik, gesellschaftliche Polarisierung und Bauernproteste gehören zu den Themen, über die viele Mitglieder überhaupt erst zueinandergefunden haben. Zahlreiche Beteiligte stehen der AfD nahe, einige sind Parteimitglieder oder Mandatsträger. Gleichzeitig betont Sascha Eller ausdrücklich, dass auch Mitglieder aus CDU und FDP zum Netzwerk gehören. Entscheidend sei weniger das Parteibuch als die Bereitschaft zum Gespräch und eine grundsätzliche Übereinstimmung in zentralen Fragen.

Wie dieser gemeinsame politische Rahmen aussieht, zeigt inzwischen auch die Präambel, die jedes neue Mitglied erhält und von der erwartet wird, dass sie akzeptiert wird. Darin bezeichnet sich „Zusammenhalt“ ausdrücklich als „parteiunabhängige Gruppe aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft“. Die Gruppe versteht sich als patriotisch, will die eigene Region stärken und tritt zugleich für einen offenen und wertschätzenden Dialog unabhängig von politischen, religiösen und weltanschaulichen Positionen ein. Auch Menschen aus anderen Ländern seien willkommen, sofern sie sich integrieren und mit ihrer Expertise und Motivation eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen.

Politisch unbeschrieben ist diese Offenheit allerdings nicht. Die Präambel formuliert einen klar erkennbaren Wertekanon: individuelle Selbstverantwortung, körperliche Selbstbestimmung als Lehre aus der Corona-Zeit, Skepsis gegenüber dem Einfluss supranationaler Organisationen wie EU, UNO und WHO, eine marktwirtschaftliche Orientierung im Sinne Ludwig Erhards sowie ein klassisches Familienverständnis bei gleichzeitiger Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen im privaten Bereich. Als primäre Themen nennt die Gruppe außerdem die Ablehnung von Waffenlieferungen in die Ukraine und andere Krisengebiete, den Einsatz für Verhandlungen und gegen weitere Eskalation, die Unterstützung regionaler Projekte, die Förderung lokaler Wirtschaft und direkte soziale Hilfe.

Quelle: Präambel der Gruppe „Zusammenhalt Elz/Limburg/Diez/Hadamar/WW/Blaues Ländchen“

Das macht die politische Einordnung zugleich leichter und schwieriger. Leichter, weil die inhaltlichen Positionen nun schriftlich formuliert vorliegen. Schwieriger, weil sie sich nicht sauber einer einzelnen Partei zuordnen lassen. Vieles liegt deutlich im konservativen, freiheitlichen und regierungskritischen Spektrum und überschneidet sich mit Positionen der AfD. Andere Punkte – etwa soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard oder Skepsis gegenüber zu starken staatlichen Eingriffen – finden sich traditionell ebenso in Teilen von CDU und FDP wieder.

Eller selbst benutzte bei seinem Vortrag die Formulierung, „Zusammenhalt“ verstehe sich ein Stück weit als „Vorfeld“ beziehungsweise möglicherweise als „verlängerter Arm“ der „blauen Partei“. Nimmt man diesen Satz isoliert, könnte man daraus leicht eine klassische AfD-Vorfeldorganisation konstruieren. Das würde der Gruppe nach unserem Eindruck allerdings nicht gerecht.

Eine organisatorische Anbindung an die Partei gibt es nicht. Vielmehr scheint es eine starke politische Schnittmenge zu geben: Kritik an der Politik der vergangenen Jahre, Skepsis gegenüber staatlichen und supranationalen Institutionen, ein eher konservatives Gesellschaftsbild und der Wunsch nach stärkerer regionaler Selbstorganisation.

Bei vielen führt diese Haltung zur AfD.

Bei anderen offensichtlich nicht.

Vielleicht beschreibt „regierungskritisches Bürgernetzwerk mit deutlicher AfD-Nähe“ die Realität deshalb besser als das Etikett „AfD-Vorfeld“.

Von der Selbsthilfe zur politischen Aktion

„Zusammenhalt“ beschränkt sich zugleich nicht auf soziale Hilfe und Stammtische.

Die Gruppe geht auch auf die Straße.

Ein Beispiel dafür war eine Mahnwache in Limburg nach dem tödlichen Messerangriff von Aschaffenburg. Auch darüber hatte der Fingerklopfer berichtet. In unserem Beitrag „Mahnwache in Limburg“ begleiteten wir die Veranstaltung vor Ort.

Solche Aktionen zeigen, dass sich „Zusammenhalt“ durchaus als gesellschaftlich handelndes Netzwerk versteht.

Auch Selbstverteidigungskurse gehören nach Angaben der Initiatoren zum Angebot. Dabei sollen Kinder, Frauen, ältere Menschen und andere Interessierte zumindest Grundkenntnisse erwerben, wie sie sich in einer Gefahrensituation verhalten können.

Ein weiteres Beispiel konnten wir beim AfD-Stammtisch in Holzhausen unmittelbar erleben.

Wie wir in unserem Artikel „Bauschaum im Blauen Ländchen: Ein erstaunlich normaler AfD-Stammtisch in Holzhausen“ berichteten, war die Eingangstür der Gaststätte vor der Veranstaltung mit Bauschaum verklebt worden.

Die politischen Veranstalter waren dadurch nur mittelbar getroffen.

Unmittelbar getroffen war der Wirt.

Eller kündigte daraufhin an, einen der nächsten Treffen von „Zusammenhalt“ bewusst in genau dieser Gaststätte abzuhalten.

Die Logik dahinter ist denkbar einfach:

Wenn jemand einen Gastronomen wirtschaftlich dafür bestrafen möchte, dass er einer politisch missliebigen Gruppe einen Raum zur Verfügung stellt, reagiert das Netzwerk eben mit möglichst vielen zahlenden Gästen.

Politischer Protest durch Pizza und Umsatz.

Es gibt schlimmere Formen gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Wer hineinkommt, wird geprüft

Trotz inzwischen 435 Mitgliedern ist „Zusammenhalt“ keine völlig offene WhatsApp-Gruppe.

Interessierte können eine Aufnahme anfragen. Die Administratoren wollen dabei wissen, wer eine Person ist, aus welcher Region sie kommt und über wen sie auf die Gruppe aufmerksam geworden ist. Von neuen Mitgliedern wird ausdrücklich erwartet, dass sie diese Präambel akzeptieren.

Das hat nach Angaben Ellers vor allem einen Grund: Man möchte verhindern, dass Personen gezielt in das Netzwerk kommen, um interne Kommunikation weiterzugeben oder die Gruppe zu sabotieren. Häufig erfolge die Aufnahme deshalb über persönliche Empfehlungen bereits bekannter Mitglieder.

Wer Interesse hat, kann hier Kontakt zu den Administratoren aufnehmen: Aufnahme bei „Zusammenhalt“ anfragen

Eine Aufnahme erfolgt nicht automatisch, sondern nach Prüfung durch die Gruppenadministratoren.

Vom Protest gegen etwas zum Einsatz für etwas

Vielleicht ist die Entwicklung von „Zusammenhalt“ gerade deshalb interessant, weil sie stellvertretend für einen Teil der gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre steht.

Am Anfang standen vor allem gemeinsame Ablehnungen.

Kritik an Migration.
Kritik an Corona-Maßnahmen.
Kritik an Energiepolitik.
Kritik an Regierung und Medien.

Solche gemeinsamen Gegner können Menschen zusammenbringen.

Sie reichen aber selten aus, um daraus dauerhaft etwas aufzubauen.

Bei „Zusammenhalt“ scheint inzwischen ein zweiter Schritt stattgefunden zu haben.

Aus Menschen, die ursprünglich gemeinsam gegen etwas protestierten, wird zunehmend ein Netzwerk, das auch für jemanden da sein möchte.

Für einen jungen Menschen, der plötzlich ohne Ausbildungsplatz dasteht.
Für jemanden, der seinen Job verliert.
Für eine Familie in Schwierigkeiten.
Für einen Gastronomen, der politischen Druck erlebt.

Oder für ein neunjähriges Mädchen mit einem Hirntumor, das einfach noch einmal das Meer sehen möchte.

Ob dieses Modell langfristig trägt, wie groß die Gruppe noch wird und wie sich das Verhältnis zwischen politischer Aktivität und praktischer Selbsthilfe entwickelt, wird sich zeigen.

435 Menschen sind jedenfalls inzwischen deutlich mehr als ein kleiner Kreis aus der Corona-Zeit.

Und vielleicht liegt die eigentliche Stärke von „Zusammenhalt“ am Ende weniger darin, dass dort alle politisch dasselbe denken.

Sondern darin, dass sie versuchen, wieder etwas zu tun, was in einer zunehmend anonymen und polarisierten Gesellschaft erstaunlich selten geworden ist:

sich zu kennen – und im Zweifel füreinander da zu sein.


Transparenzhinweis: Der Autor ist selbst Mitglied der WhatsApp-Gruppe „Zusammenhalt“, hat dort jedoch keine Funktion und verfolgt den Austausch überwiegend lesend. Viele frühe Mitglieder kennen sich aus Protesten und Netzwerken der Corona-Zeit.

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