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Wenn der Wind bestimmt, wann die Fabrik arbeitet – Deutschlands Energiewende wird zum Standortrisiko

19. August 2026 // geschrieben von Manfred

Es gibt Sätze, die wirken übertrieben – bis man die offiziellen Statistiken danebenlegt. „Eine Industrienation kann nicht mit Wind und Sonne produzieren“, sagt die mittelständische Unternehmerin Andrea Thoma-Böck in einem ausführlichen Interview mit Apollo News. Die Deindustrialisierung sei längst im Gange, die große Welle aber noch gar nicht angekommen.

Das klingt drastisch. Doch Thoma-Böck spricht nicht als theoretische Energiepolitikerin. Sie ist seit 1996 geschäftsführende Gesellschafterin der Thoma Metallveredelung GmbH im schwäbischen Heimertingen. Das mehr als 100 Jahre alte Familienunternehmen beschäftigt rund 130 Mitarbeiter und ist als Galvanikbetrieb tief in industrielle Lieferketten eingebunden. Das Unternehmen selbst nennt unter anderem Maschinenbau, Automobilindustrie und Medizintechnik als Kundenbranchen.

Thoma-Böck ist zudem Regionalvorsitzende der IHK Memmingen und Unterallgäu und Initiatorin und Präsidentin der Initiative Zukunft Wirtschaft Deutschland (IZW). Die IZW versteht sich ausdrücklich als unabhängige Stimme aus Wirtschaft und Mittelstand – und will nach eigenen Worten jene unternehmerische Realität stärker in die Politik tragen, die in Verbänden und politischen Entscheidungsprozessen nach Auffassung ihrer Initiatoren zu oft verloren geht. Ihre ausführliche Vita findet sich hier bei der IZW.

Es ist genau jene Art von Unternehmen, die in politischen Sonntagsreden gerne als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ bezeichnet wird – bis die nächste energiepolitische Vorgabe beschlossen wird.

Aus der Energiewende wird Energiebewirtschaftung

Ausgangspunkt des Apollo-Gesprächs ist die neue „Sicherheitsplattform Strom“. Für sich genommen ist deren Existenz kein Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Blackout. Das sollte man der Fairness halber klar sagen.

Auch die Bundesregierung bezeichnet die Plattform ausdrücklich als präventive Krisenvorsorge. Deutschland verfüge weiterhin über eines der sichersten Stromnetze weltweit, großflächige und langanhaltende Stromausfälle seien sehr unwahrscheinlich. Die digitale Plattform soll jedoch für den Fall einer Energiemangellage Kommunikation und Koordination zwischen den Beteiligten verbessern.

Und genau an dieser Stelle beginnt die interessantere Frage: Warum muss eine hochentwickelte Industrienation zunehmend Strukturen schaffen, um einen möglichen Strommangel administrativ zu organisieren?

Andrea Thoma-Böck hält den Aufbau einer Krisenplattform selbst ausdrücklich für richtig. Ihre Kritik richtet sich vielmehr darauf, dass eine solche Plattform heute nicht nur gegen Sabotage, Naturkatastrophen oder Cyberangriffe gebraucht wird, sondern auch in einem Stromsystem, dessen gesicherte Erzeugungsleistung zunehmend durch wetterabhängige Erzeugung ersetzt wurde.

Dabei liegt ein grundlegendes Problem auf der Hand: Wind- und Solarstrom mögen unter günstigen Bedingungen preiswert erzeugt werden. Eine Industrienation benötigt Strom aber nicht nur dann, wenn meteorologisch gerade die richtigen Voraussetzungen herrschen.

Sie benötigt ihn immer.

Nachts. Im Winter. Bei Windstille. Während einer Dunkelflaute. Und gerade Industrieanlagen müssen häufig kontinuierlich arbeiten.

Deshalb genügt es nicht, bei der Bewertung von Wind- und Solarenergie allein auf die Erzeugungskosten einer Kilowattstunde zu schauen. Entscheidend sind die Kosten des Gesamtsystems: Netzausbau, Redispatch, Speicher, Reservekapazitäten, Abregelung sowie Kraftwerke, die einspringen müssen, wenn Wind und Sonne nicht liefern.

Thoma-Böck bringt die Konsequenz der politisch gewünschten „Flexibilisierung“ aus der Perspektive eines Industrieunternehmens auf den Punkt: Produktion könne nicht einfach danach organisiert werden, wann Wind und Sonne ausreichend Energie liefern. Mitarbeiter nach Hause zu schicken, wenn Strom knapp ist, und sie am Sonntag wieder einzubestellen, wenn viel Strom verfügbar ist, sei keine realistische Perspektive für eine Industrienation.

Natürlich kann Lastflexibilität sinnvoll sein. Speicher, Kühlhäuser, Elektrolyseure oder andere geeignete Verbraucher können Stromaufnahme verschieben.

Doch aus einer sinnvollen Ergänzung wird etwas anderes, wenn sich am Ende die Produktion dem Wetter anpassen soll, weil sich die Energieversorgung nicht mehr ausreichend der Produktion anpasst.

Ein Stahlwerk, eine Galvanik oder eine komplexe industrielle Lieferkette ist eben keine Waschmaschine, die man einschaltet, sobald die Strom-App einen grünen Tarif anzeigt.

Die amtliche Statistik liefert den bedrückenden Hintergrund

Man könnte die Aussagen Thoma-Böcks als Interessenvertretung einer energieintensiven Unternehmerin abtun.

Nur passen die amtlichen Zahlen inzwischen bemerkenswert gut zu ihrer Warnung.

Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes vom Mai 2026 sank die Produktion der energieintensiven Industriezweige zwischen Februar 2022 und März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 15,2 Prozent. In der gesamten Industrie betrug das Minus im selben Zeitraum 9,5 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten in den energieintensiven Branchen um 53.200 Personen zurück.

Die Entwicklung begann allerdings nicht erst mit dem Ukrainekrieg. Im Gesamtjahr 2025 lag die Produktion der energieintensiven Industriezweige bereits 17,8 Prozent unter dem Niveau von 2021.

Natürlich hat diese Entwicklung mehrere Ursachen. Die Energiekrise nach 2022, weltwirtschaftliche Schwäche, die Krise der Automobilindustrie und strukturelle Probleme spielen ebenfalls eine Rolle.

Wer jedoch den Faktor Energie aus dieser Entwicklung herausrechnen möchte, muss erklären, warum gerade jene Branchen besonders stark verlieren, deren Geschäftsmodell besonders stark von Energiepreisen und Versorgungssicherheit abhängt.

Auch die Unternehmen selbst geben darauf eine ziemlich eindeutige Antwort.

Im DIHK-Energiewende-Barometer 2026 berichten 49 Prozent der Unternehmen von weiter gestiegenen Stromkosten und 67 Prozent von höheren Kosten für Wärme. Besonders kritisch fällt das Urteil der Industrie aus: Auf der Skala der DIHK erreicht sie hinsichtlich der Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit einen Wert von minus 22 Punkten.

Das ist kein Urteil eines energiepolitischen Oppositionsvereins.

Das ist das Ergebnis einer Unternehmensbefragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer.

Deutschland bleibt ein Hochpreisland für Energie

Auch beim europäischen Strompreisvergleich kann man das Problem inzwischen nur schwer wegdiskutieren.

Nach den aktuellen Eurostat-Daten für das zweite Halbjahr 2025 zahlten gewerbliche Verbraucher mit einem Jahresverbrauch zwischen 500 und 2.000 MWh in Deutschland durchschnittlich 22,64 Euro je 100 Kilowattstunden. Der EU-Durchschnitt lag bei 18,37 Euro. Nur Irland und Zypern lagen noch höher; Finnland kam auf lediglich 7,48 Euro.

Auch Gas bleibt für deutsche Unternehmen teuer: Im zweiten Halbjahr 2025 lagen die deutschen gewerblichen Gaspreise laut Eurostat mit 7,13 Euro je 100 kWh deutlich oberhalb des EU-Durchschnitts von 6,05 Euro.

Man kann über einzelne Vergleichsgruppen, Steuern oder unterschiedliche Beschaffungsmodelle streiten.

Nicht mehr ernsthaft bestreiten lässt sich jedoch, dass Deutschland im europäischen Vergleich ein teurer Energiestandort geblieben ist.

Und für einen Galvanikbetrieb wie den von Andrea Thoma-Böck ist Energie eben kein Nebenkostenposten.

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Der Windpark endet nicht am Stromzähler

Doch die Energiewende hat nicht nur eine ökonomische Seite.

Beim Fingerklopfer haben wir deshalb schon mehrfach auf einen Punkt hingewiesen, der in der politischen Kommunikation erstaunlich schnell ausgeblendet wird: Auch sogenannte erneuerbare Energien beanspruchen Natur und Landschaft.

Besonders offensichtlich wird das bei Windkraftanlagen.

Das Umweltbundesamt schreibt selbst, dass die Errichtung von Windenergieanlagen einen „Eingriff in Natur und Landschaft“ darstellt. Naturschutzfachlich besonders wertvolle Gebiete sollten deshalb freigehalten werden. Besondere Rücksicht müsse unter anderem auf Greifvögel und Fledermäuse genommen werden.

Das bedeutet nicht, dass jede Windkraftanlage ökologisch unverantwortlich wäre.

Es bedeutet aber sehr wohl, dass die gerne gepflegte Vorstellung von nahezu folgenloser „grüner Energie“ mit der Realität wenig zu tun hat.

Fundamente, Kranstellflächen, Zufahrtswege und Stromtrassen verändern Landschaften. Bei Windkraft im Wald geschieht das ausgerechnet in jenen Lebens- und Erholungsräumen, deren Schutz ansonsten regelmäßig als politisches Ziel beschworen wird.

Gerade in Hessen ist diese Entwicklung besonders ausgeprägt. Nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar standen Ende 2025 551 Windenergieanlagen mit 1.722 MW Leistung auf hessischen Forstflächen. 62 Prozent der in Hessen installierten Windkraftleistung im betreffenden Vergleich entfielen auf Waldstandorte – einer der höchsten Werte Deutschlands.

Wer durch unsere heimischen Mittelgebirgslandschaften fährt, kann zunehmend mit eigenen Augen sehen, was diese nüchternen Zahlen bedeuten.

Der Fingerklopfer hat diese Fragen bereits früher gestellt

In unserem ausführlichen Fingerklopfer-Beitrag „Sichere Energie oder Windkraft? Zwischen Energiewende, Bürgerprotest und Versorgungssicherheit“ haben wir genau diese Fragen bereits diskutiert.

Dort ging es nicht darum, Windkraft grundsätzlich zu verdammen. Zur Debatte stand vielmehr, ob der inzwischen eingeschlagene Weg tatsächlich zu einer sicheren, wirtschaftlichen und gesellschaftlich akzeptierten Energieversorgung führt.

Der Energieökonom Björn Peters verwies dort auf einen entscheidenden systemischen Effekt: Windkraftanlagen produzieren nicht unabhängig voneinander. Wenn in Deutschland und Mitteleuropa viel Wind weht, tun sie dies vielfach gleichzeitig. Das große Angebot drückt dann den Börsenstrompreis.

Herrscht dagegen großräumige Flaute, fehlt ebenfalls bei vielen Anlagen gleichzeitig die Leistung.

Das führt zu einem bemerkenswerten ökonomischen Effekt: Mit jeder zusätzlichen wetterabhängigen Anlage wächst zwar die installierte Kapazität. Ihr zusätzlicher Marktwert kann aber sinken, weil sie besonders häufig genau dann produziert, wenn ohnehin bereits viel gleichartiger Strom vorhanden ist.

Genau deshalb darf die energiepolitische Debatte nicht bei der Zahl neu installierter Gigawatt enden.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie viel gesicherte, jederzeit verfügbare Energie erhält Deutschland für die gewaltigen Investitionen in das Gesamtsystem?

„Energiewirtschaft – außer Kontrolle“

Diese Entwicklung hatte der Autor auch bereits im sentix-Jahresausblick 2026 (erhältlich über die sentix GmbH) unter der Überschrift „Energiewirtschaft – außer Kontrolle“ thematisiert.

Dort heißt es:

„Ein zentrales Kapitel des deutschen Niedergangs wird in der Energiewirtschaft geschrieben.“

Der Ausblick kritisiert insbesondere die Gleichzeitigkeit zweier Prozesse: Deutschland baut wetterabhängige Stromerzeugung massiv aus und legt gleichzeitig funktionierende gesicherte Kraftwerksleistung still. Bei Überschuss entstehen negative Börsenpreise und Abregelungsbedarf; bei Knappheit muss gesicherte Leistung teuer bereitgestellt oder Strom importiert werden.

Im Jahresausblick formulierten wir es noch drastischer:

„Wenn wir Stromüberschuss haben, müssen die deutschen Stromerzeuger für den Abtransport ins Ausland bezahlen. Und wenn wir Mangel haben, dann müssen wir zu Spitzenpreisen aus dem Ausland Strom zukaufen.“

Das Grundproblem lässt sich nüchterner formulieren:

Ein Stromsystem muss nicht im Jahresdurchschnitt funktionieren. Es muss in jeder einzelnen Sekunde funktionieren.

Installierte Leistung ist deshalb nicht das Gleiche wie gesicherte Leistung.

Und Erzeugungskosten einer Windkraft- oder Solaranlage sind nicht das Gleiche wie die volkswirtschaftlichen Kosten eines Stromsystems mit hohen Anteilen volatiler Erzeugung.

Genau diese Unterscheidung geht in der politischen Diskussion erstaunlich oft verloren.

Transformation heißt nicht, zuerst das Alte abzureißen

Eine der interessantesten Passagen des Apollo-Interviews betrifft deshalb gar nicht eine konkrete Zahl.

Andrea Thoma-Böck kritisiert den inzwischen inflationär verwendeten Begriff „Transformation“.

Transformation bedeute für sie nicht, bestehende Industrie zunächst abzubauen und anschließend darauf zu hoffen, dass irgendwann neue Industrien entstehen. Sie verweist auf ein Gespräch mit BMW-Chef Oliver Zipse und beschreibt dessen Verständnis sinngemäß so: Das Neue komme hinzu, erweitere das Bestehende – erst danach entscheide der Markt, was sich durchsetzt.

Genau darin liegt ein grundlegender Unterschied.

Deutschland möchte Elektromobilität, Wärmepumpen, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Rechenzentren gleichzeitig vorantreiben.

All diese Technologien benötigen vor allem eines:

Strom. Viel Strom. Und zwar zuverlässig.

Ausgerechnet in dieser Situation hat Deutschland seine letzten Kernkraftwerke stillgelegt, plant den Kohleausstieg und muss gleichzeitig Milliarden in Netze, Speicher, Reserve- und neue gesicherte Kraftwerkskapazitäten investieren.

Man kann das Transformation nennen.

Man kann aber ebenso fragen, ob eine vernünftige Transformation nicht genau andersherum ablaufen müsste:

Erst ein besseres, günstigeres und belastbares neues Energiesystem schaffen – und dann funktionierende alte Infrastruktur ersetzen.

Eine Familie reißt schließlich auch nicht zuerst die Heizung aus dem Keller und beginnt anschließend darüber nachzudenken, womit sie im nächsten Winter ihr Haus wärmt.

Ausgerechnet eine Umweltpionierin widerspricht

Bemerkenswert ist noch etwas anderes.

Andrea Thoma-Böck passt schlecht in das beliebte Raster, Kritik an der Energiewende stamme grundsätzlich von Menschen, denen Umwelt- und Klimaschutz gleichgültig seien.

Das Unternehmen Thoma gehörte schon früh zu den Pionieren umweltorientierter Galvanotechnik. Es arbeitete bereits 2001 mit dem Landesamt für Umweltschutz an einem Forschungsprojekt zur rationellen Energienutzung in der Galvanikindustrie. 2009 erhielt das Unternehmen einen Umweltpreis für eine innovative Hartchromanlage. Außerdem gründete die Familie eine Naturschutzstiftung. Die Unternehmensgeschichte dokumentiert diese Projekte auf der eigenen Website.

Andrea Thoma-Böck und ihre Schwester wurden 2011 zudem mit der Bayerischen Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft ausgezeichnet. Auch dort wurde ausdrücklich ihr Umweltengagement gewürdigt. Die entsprechende Dokumentation findet sich bei Thoma Metallveredelung.

Ihre Kritik lautet also nicht: Umweltschutz ist überflüssig.

Sie lautet vielmehr: Umwelt- und Klimapolitik, die industrielle Wertschöpfung zerstört, Versorgungssicherheit schwächt und immer höhere Systemkosten verursacht, ist keine nachhaltige Politik.

Das ist ein erheblicher Unterschied.

Die eigentliche Warnung lautet: Schweigen

Thoma-Böcks schärfste Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen Politiker.

Sie richtet sich auch gegen die eigene Wirtschaft.

Viele Unternehmen und Wirtschaftsverbände hätten zu lange geschwiegen oder sich mit politischen Entscheidungen arrangiert. Der Mittelstand sei politisch unterrepräsentiert. Während große Konzerne Produktion relativ leicht international verschieben könnten, seien Familienunternehmen über Generationen mit ihrer Region verbunden.

Diese Beobachtung verdient Aufmerksamkeit.

Denn Deutschland diskutiert wirtschaftspolitische Entscheidungen häufig mit den Vorstandsvorsitzenden großer Konzerne. Doch der vielzitierte deutsche Mittelstand funktioniert anders.

Ein angestellter Konzernmanager kann ein Werk schließen, eine Produktion verlagern und einige Jahre später den Konzern wechseln.

Ein Familienunternehmer trägt seinen Namen am Werkstor.

Seine Mitarbeiter wohnen im selben Ort.

Seine Kinder sollen möglicherweise irgendwann das Unternehmen übernehmen.

Und wenn ein über Generationen aufgebauter Betrieb verschwindet, ist er meistens dauerhaft verschwunden.

Der Preis der Energiewende wird längst bezahlt

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr, ob Deutschland eine Energiewende betreiben soll.

Die entscheidende Frage lautet, welche Energiewende.

Eine, die technologieoffen versucht, CO₂-Emissionen zu senken und gleichzeitig Versorgungssicherheit, Natur- und Landschaftsschutz sowie industrielle Wettbewerbsfähigkeit erhält?

Oder eine Energiewende, bei der sich politischer Erfolg vor allem in installierten Gigawatt Windkraft und Photovoltaik bemisst – während parallel Netzkosten, Reservebedarf und industriepolitische Subventionen steigen?

Andrea Thoma-Böck sagt im Apollo-Interview:

„Hier geht es ums blanke Überleben.“

Das ist zugespitzt.

Aber wenn das Statistische Bundesamt einen Produktionsrückgang der energieintensiven Industrien von 15,2 Prozent seit Februar 2022 meldet, wenn Eurostat Deutschland bei den gewerblichen Strompreisen im europäischen Spitzenfeld ausweist und wenn die DIHK von einer immer negativeren Bewertung der Energiewende durch Industrieunternehmen berichtet, sollte man diese Warnung nicht vorschnell als Panikmache abtun.

Vielleicht liegt eines der größten Probleme der deutschen Energiewende inzwischen tatsächlich nicht darin, dass ihre Kritiker zu laut sind.

Sondern darin, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Medien viel zu lange zu leise waren.

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