06. August 2026
Seit dem öffentlichen Durchbruch von ChatGPT Ende 2022 wird Künstliche Intelligenz mit einem Versprechen verbunden, das weit über bessere Suchmaschinen oder automatisch formulierte E-Mails hinausgeht: KI soll die Produktivität der Wirtschaft erhöhen, Kosten senken, Fachkräfte entlasten und Unternehmen ermöglichen, mit weniger Aufwand mehr zu leisten. Milliarden fließen deshalb in Rechenzentren, Hochleistungschips, Software und neue Geschäftsmodelle. Doch ist der erhoffte Produktivitätsschub tatsächlich schon eingetreten?
Eine neue Analyse der Federal Reserve Bank of St. Louis liefert darauf eine bemerkenswert nüchterne Antwort. Unternehmen sprechen inzwischen sehr häufig und fast ausschließlich positiv über die Produktivitätswirkung von KI. Die meisten können diese Wirkung bislang allerdings noch nicht als realisierten Erfolg verbuchen. Rund 95 Prozent der KI-bezogenen Produktivitätsaussagen in den untersuchten Unternehmenskonferenzen beziehen sich nicht auf bereits erzielte Verbesserungen, sondern auf Erwartungen für die Zukunft.
Damit zeigt sich eine auffällige Lücke zwischen technologischem Fortschritt, unternehmerischem Optimismus und den bislang messbaren Ergebnissen. KI ist in vielen Bereichen zweifellos leistungsfähiger geworden. Ob daraus jedoch ein breiter gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsschub entsteht, entscheidet sich nicht allein an der Qualität der Sprachmodelle. Entscheidend ist, ob Unternehmen ihre Arbeitsabläufe, Verantwortlichkeiten und Geschäftsmodelle tatsächlich an die neue Technik anpassen können.