Durchsuchung bei der Kreissparkasse Weilburg: Ermittler prüfen Darlehen an Löhnberger Gesellschaft

Die Ermittlungen um die Finanzaffäre der Gemeinde Löhnberg haben eine neue Dimension erreicht. Am Dienstag, 8. September, haben Ermittler rund acht Stunden lang Räume der Kreissparkasse Weilburg durchsucht. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegenüber dem Fingerklopfer geht es um den Verdacht, Mitarbeiter des Kreditinstituts könnten zu Unrecht Darlehen an die Löhnberger Grundbesitz GmbH vergeben haben.
Die Vorwürfe seien, so formuliert es die Staatsanwaltschaft, „Ausfluss aus dem gesonderten Ermittlungsverfahren gegen den vormaligen Bürgermeister der Gemeinde Löhnberg“.
Damit reicht das seit 2024 laufende strafrechtliche Verfahren inzwischen über Rathaus und früheren Bürgermeister hinaus bis in ein Kreditinstitut in kommunaler Trägerschaft. Welche Mitarbeiter konkret beschuldigt werden, welche Darlehen Gegenstand des Verfahrens sind und um welche Summen es dabei geht, lässt die Staatsanwaltschaft derzeit offen.
Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Acht Stunden Durchsuchung – rund zehn Ermittler im Einsatz
Die Durchsuchung erfolgte nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Standort Weilburg auf Grundlage eines Beschlusses des Amtsgerichts Frankfurt am Main. Beteiligt waren rund zehn Ermittlungsbeamte unter Federführung der Frankfurter Staatsanwaltschaft und unter Beteiligung des Polizeipräsidiums Westhessen. Die Maßnahme dauerte etwa acht Stunden. Die Kreissparkasse habe kooperativ mitgewirkt.
Bereits am Dienstag war öffentlich bekannt geworden, dass Polizei und Staatsanwaltschaft den Hauptsitz der Kreissparkasse Weilburg durchsuchen. Der Hessische Rundfunk berichtete zunächst lediglich über einen möglichen Zusammenhang mit Kreditgeschäften in Löhnberg.
Die Auskunft der Staatsanwaltschaft gegenüber dem Fingerklopfer geht nun darüber hinaus: Danach richtet sich der Verdacht konkret darauf, dass Mitarbeiter der Kreissparkasse Darlehen an die Löhnberger Grundbesitz GmbH möglicherweise zu Unrecht ausgereicht haben.
Offen bleiben zentrale Fragen: Wie viele Beschuldigte gibt es? Welche internen Entscheidungen werden untersucht? Welche Unterlagen oder Daten wurden bei der Durchsuchung sichergestellt? Und seit wann wird gegen die Mitarbeiter ermittelt?
Auch zur Höhe eines möglichen Schadens äußert sich die Staatsanwaltschaft derzeit nicht.
Das ist deshalb wichtig, weil öffentlich bereits eine andere Millionensumme im Raum steht: Nach Angaben des Hessischen Rundfunks streiten die Gemeinde Löhnberg und die Kreissparkasse Weilburg darüber, wer für rund 5,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten der Löhnberger Grundbesitz GmbH aufkommen muss. Die Gemeinde hatte 2022 eine Bürgschaft für Kredite der Gesellschaft beschlossen. Ob und in welchem Umfang gerade diese Kredite Gegenstand des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens sind, ist damit jedoch ausdrücklich nicht geklärt.
| Gesichert | Derzeit offen |
|---|---|
| Durchsuchung am 8. September 2026 | Zahl der Beschuldigten |
| Durchsuchungsbeschluss des AG Frankfurt | konkrete Darlehensverträge |
| rund zehn Ermittlungsbeamte | Höhe der untersuchten Kredite |
| Dauer etwa acht Stunden | möglicher Schaden |
| Verdacht gegen Mitarbeiter wegen Darlehensvergaben an die LGG | Zeitpunkt der Einleitung dieses Verfahrens |
| Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den früheren Bürgermeister | mögliche Verantwortlichkeiten innerhalb der Sparkasse |
Vom Rathaus zur Sparkasse
Das Ausgangsverfahren reicht bis in den Sommer 2024 zurück. Nach einer Antwort der Hessischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Marion Schardt-Sauer wird gegen den früheren Löhnberger Bürgermeister wegen des Verdachts der Untreue in drei Fällen ermittelt.
Auslöser waren Unregelmäßigkeiten in der Finanzverwaltung der Gemeinde. Unter anderem sollen Jahresabschlüsse gegenüber dem Rechnungsprüfungsamt des Landkreises nicht vollständig vorgelegt und gegenüber dem Regierungspräsidium Gießen fehlerhafte Angaben gemacht worden sein.
Die Generalstaatsanwaltschaft übertrug das Verfahren am 2. September 2024 der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt. Im Dezember 2024 wurden das Löhnberger Rathaus und das Privathaus des früheren Bürgermeisters durchsucht.
Der Landrat des Landkreises Limburg-Weilburg leitete als Dienstvorgesetzter mit Verfügung vom 8. Januar 2025 zusätzlich ein Disziplinarverfahren ein. Dieses ruht bis zum Abschluss des Strafverfahrens. In einer Folgeantwort vom Oktober 2025 teilte die Landesregierung mit, dass weitere beamtenrechtliche Maßnahmen bis dahin nicht ergriffen worden seien.
Die Durchsuchung der Kreissparkasse ist deshalb von besonderer Bedeutung: Es geht nun nicht mehr ausschließlich um die Frage, wie in der Gemeinde selbst mit Geld, Jahresabschlüssen und Verpflichtungen umgegangen wurde. Die Ermittler prüfen offenbar auch die andere Seite von Finanzierungsgeschäften – also die Vergabe von Darlehen.
Das bedeutet noch nicht, dass Kredite tatsächlich rechtswidrig vergeben worden sind. Eine Durchsuchung dient gerade der Gewinnung und Sicherung von Beweismitteln. Sie zeigt aber, dass der Anfangsverdacht nach Auffassung eines Gerichts ausreichend konkret war, um diesen erheblichen Ermittlungsmaßstab zu gestatten.
Die Löhnberger Grundbesitz GmbH – und eine wichtige Korrektur
Im Mittelpunkt steht die Löhnberger Grundbesitz GmbH, kurz LGG. Die Gesellschaft wurde 2011 gegründet und ist beim Amtsgericht Limburg unter HRB 4647 eingetragen. Unternehmensgegenstand sind unter anderem der Erwerb von Grundstücken, die Erschließung und Vermarktung von Baugebieten sowie die Vergabe von Bauaufträgen.
Anders als die Bezeichnung im politischen Sprachgebrauch teilweise vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine vollständig gemeindeeigene Gesellschaft. Nach öffentlich zugänglichen Registerinformationen hält die Gemeinde Löhnberg 11 Prozent, die Kolmer + Fischer GmbH 89 Prozent der Anteile.
Auch beim Insolvenzstatus ist eine genaue Unterscheidung erforderlich.
Am 16. Dezember 2024 wurde zunächst ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Am 20. Dezember folgte zusätzlich ein allgemeines Verfügungsverbot. Ein Insolvenzverfahren wurde jedoch letztlich gerade nicht eröffnet. Das Amtsgericht Limburg wies den Insolvenzantrag am 25. August 2025 mangels Masse ab. Am 29. Oktober 2025 wurde die Auflösung der Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen.
| Datum | Vorgang |
|---|---|
| 28. Januar 2011 | Gründung der Löhnberger Grundbesitz GmbH |
| August 2024 | Beginn der Ermittlungen im Komplex Löhnberg |
| 2. September 2024 | Übernahme durch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Frankfurt |
| Oktober 2024 | Staatsbeauftragter für Löhnberg eingesetzt |
| Dezember 2024 | Durchsuchungen von Rathaus und Privathaus des früheren Bürgermeisters |
| 16. Dezember 2024 | Vorläufiger Insolvenzverwalter für LGG bestellt |
| 8. Januar 2025 | Disziplinarverfahren gegen früheren Bürgermeister eingeleitet |
| 21. Februar 2025 | Kreistag behandelt FDP-Anfrage zu Sparkassenengagements |
| 25. August 2025 | Insolvenzantrag der LGG mangels Masse abgewiesen |
| 29. Oktober 2025 | Auflösung der LGG im Handelsregister eingetragen |
| 8. September 2026 | Durchsuchung der Kreissparkasse Weilburg |
Der Kreistag fragte bereits 2025 nach den Sparkassen
Brisant ist der Vorgang auch deshalb, weil mögliche Kreditengagements der regionalen Sparkassen bereits Anfang 2025 Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage im Kreistag Limburg-Weilburg waren.
Die FDP-Fraktion wollte zur Sitzung vom 21. Februar 2025 wissen, welche Auswirkungen Zahlungsausfälle der Gemeinde Löhnberg beziehungsweise ihrer Gesellschaften bei Kreditinstituten haben könnten, an denen der Landkreis beteiligt ist. Genannt wurden unter anderem die Kreissparkasse Limburg und die Kreissparkasse Weilburg.
Der Hintergrund war auch personell interessant: Der frühere Löhnberger Bürgermeister Dr. Frank Schmidt gehörte über Jahre Verwaltungsräten regionaler Sparkassen an. Bei der Kreissparkasse Weilburg war er zeitweise stellvertretender Vorsitzender.
Der Kreisausschuss erklärte seinerzeit, dem Landkreis lägen als Träger keine Informationen über konkrete Geschäftsbeziehungen der Kreissparkasse vor. Aussagen über einen Zusammenhang zwischen möglichen Kreditengagements und der Finanzkrise in Löhnberg seien daher Spekulation.
Zu Schmidt teilte der Kreisausschuss mit: „Herr Dr. Frank Schmidt ist kein stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kreissparkasse Weilburg mehr.“
Die damalige Anfrage erhält durch die aktuellen Ermittlungen nachträglich besonderes Gewicht.
Gleichzeitig ist eine entscheidende Unterscheidung notwendig: Die bloße Mitgliedschaft im Verwaltungsrat sagt nichts darüber aus, ob ein Mitglied an einer konkreten Kreditentscheidung beteiligt war. Nach dem Hessischen Sparkassengesetz bestimmt der Verwaltungsrat insbesondere die Richtlinien der Geschäftspolitik und überwacht die Geschäftsführung. Daneben gibt es einen aus Mitgliedern des Verwaltungsrats gebildeten Kreditausschuss, dem nach Maßgabe der Sparkassensatzung Zustimmungsbefugnisse bei Kreditvergaben zukommen.
Gerade deshalb werden für die weitere Aufarbeitung konkrete Unterlagen entscheidend sein: Wer war bei den jeweiligen Kreditentscheidungen beteiligt? Welche Gremien mussten zustimmen? Welche Sicherheiten wurden verlangt? Welche wirtschaftlichen Unterlagen lagen vor? Und welche Kenntnisse bestanden über die finanzielle Situation von Gesellschaft und Gemeinde?
Bislang gibt es keinen öffentlich bekannten Beleg dafür, dass der frühere Bürgermeister an den nun untersuchten Kreditentscheidungen persönlich mitgewirkt hat.
Ein Finanzproblem unter jahrelanger Aufsicht
Der Komplex reicht weit über einzelne Darlehen hinaus. Im Oktober 2024 setzte das Regierungspräsidium Gießen einen Staatsbeauftragten nach § 141 der Hessischen Gemeindeordnung für Löhnberg ein. Dessen Tätigkeit endete nach der Neuwahl und dem Amtsantritt des neuen Bürgermeisters. Die Landesregierung ließ anschließend auch das Verhältnis zwischen Gemeinde und Kommunalaufsicht aufarbeiten.
Wie angespannt die Finanzlage war, zeigt auch die Entwicklung der Liquiditätskredite. Noch zum 31. August 2025 hatte Löhnberg nach Angaben der Landesregierung von einem genehmigten Höchstbetrag von vier Millionen Euro rund 2,2 Millionen Euro in Anspruch genommen. Die Gemeinde befand sich damals in vorläufiger Haushaltsführung und musste dem Regierungspräsidium monatlich berichten.
Hinzu kamen die finanziellen Probleme der LGG. Dass deren Vermögen letztlich nicht einmal ausreichte, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu decken, unterstreicht die wirtschaftliche Dimension des Vorgangs.
Jetzt geht es um die Entscheidungskette
Die Durchsuchung der Kreissparkasse verändert deshalb den Blick auf den Löhnberg-Komplex.
Bislang stand vor allem im Mittelpunkt, was innerhalb der Gemeinde geschehen ist: fehlende Jahresabschlüsse, problematische Finanzangaben, Verpflichtungen und die strafrechtlichen Vorwürfe gegen den früheren Bürgermeister.
Nun stellt sich zusätzlich die Frage, wie diese Finanzierungen auf Bankseite zustande kamen.
Das ist keine Vorverurteilung der Kreissparkasse und ihrer Mitarbeiter. Kreditentscheidungen werden auf Grundlage der jeweils vorliegenden Informationen getroffen, und auch ein späterer Zahlungsausfall macht eine frühere Darlehensvergabe nicht automatisch pflichtwidrig oder gar strafbar.
Aber genau hier liegt der Kern der nun notwendigen Aufklärung: Welche Informationen lagen der Sparkasse zum Zeitpunkt der Kreditentscheidungen vor – und hätten diese Informationen ausgereicht, um die Darlehen in der konkreten Form zu gewähren?
Ebenso relevant wird sein, welche Sicherheiten vorhanden waren und welche Bedeutung der 2022 von der Gemeinde beschlossenen Bürgschaft zukam. Dass inzwischen über eine Haftung für rund 5,8 Millionen Euro gestritten wird, zeigt jedenfalls, dass es nicht um wirtschaftliche Kleinigkeiten geht.
Die Staatsanwaltschaft hat mit der Durchsuchung deutlich gemacht, dass sie diese Entscheidungskette inzwischen selbst untersucht.
Ob daraus strafrechtliche Vorwürfe Bestand haben werden, ist völlig offen.
Für die kommunalpolitische Aufarbeitung dürfte der 8. September 2026 dennoch eine Zäsur darstellen: Aus dem Finanzfall Löhnberg ist endgültig auch ein Fall geworden, in dem die Rolle eines kommunal getragenen Kreditinstituts untersucht wird.
Quellen und Dokumente
- Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Auskunft an den Fingerklopfer vom September 2026
- Hessischer Landtag, Drucksache 21/1501
- Hessischer Landtag, Drucksache 21/2144
- Hessischer Landtag, Drucksache 21/2616
- Hessischer Landtag, Kommunalbericht 2024, Drucksache 21/1148
- Kreistag Limburg-Weilburg, Anfrage AF-3/2025 und Niederschrift vom 21. Februar 2025
- Handelsregister HRB 4647, Löhnberger Grundbesitz GmbH
- Amtsgericht Limburg, 9 IN 153/24
- Hessischer Rundfunk, Berichterstattung vom 8. September 2026
Transparenzhinweis: Betreiber und Chefredakteur Manfred Hübner ist Mitglied des Verwaltungsrats der Kreissparkasse Limburg, gewählt vom Kreistag des Landkreises Limburg-Weilburg. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich und unterliegt den Verschwiegenheitspflichten des Hessischen Sparkassengesetzes. Vertrauliche Informationen aus dieser Tätigkeit werden weder veröffentlicht noch als Grundlage journalistischer Beiträge verwendet. Dieser Beitrag berührt die Kreissparkasse Limburg, weil der frühere Bürgermeister auch deren Verwaltungsrat angehörte. Die Durchsuchung betraf die Kreissparkasse Weilburg, ein davon unabhängiges Haus mit eigenen Organen.