Der Bund plant für 2027 gut 200 Milliarden Euro neue Schulden

Die Lage am Morgen · Dienstag, 8. September 2026
Mit dem Etatentwurf für 2027 beginnt an diesem Dienstag die Haushaltswoche des Bundestages: 555 Milliarden Euro Ausgaben, gut 200 Milliarden Euro neue Schulden, 41,9 Milliarden Euro allein für Zinsen. Die Regierung begründet das mit der Wachstumsschwäche — und die amtlichen Produktionszahlen vom Vortag zeigen sie. Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat diese Redaktion unterdessen einen Erfassungsfehler in zwei Briefwahlbezirken bestätigt gefunden.
555 Milliarden Ausgaben, 41,9 Milliarden allein für Zinsen
Finanzminister Lars Klingbeil bringt an diesem Dienstag den Etatentwurf für 2027 in den Bundestag ein. Er sieht Ausgaben von rund 555 Milliarden Euro vor, sechs Prozent mehr als in diesem Jahr; allein im Kernhaushalt sollen dafür mehr als 118 Milliarden Euro Schulden aufgenommen werden. Zusammen mit den Krediten aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Bundeswehr liegt die Neuverschuldung bei gut 200 Milliarden Euro. Für die Zinszahlungen sind 41,9 Milliarden Euro veranschlagt; bis 2030 sollen sie auf 81 Milliarden steigen. „Die globalen Krisen und Konflikte sowie ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten" erschwerten es erheblich, die Wachstumsschwäche zu überwinden, heißt es in der Regierungsvorlage; für 2027 rechnet sie nur noch mit einem realen Wachstum von 0,9 Prozent. Vorgesehen sind Investitionen von 117,5 Milliarden Euro, unter anderem um bis 2029 die NATO-Quote von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Klingbeil greift zugleich die Rücklage des Bundes an; daraus bleiben für die Folgejahre 3,9 Milliarden Euro. Die Beratungen dauern bis Freitag. Umstritten ist die Überführung von rund drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in den Haushalt.
Gräfenhainichen: Zwei Briefwahlbezirke mit identischen Zahlen
In zwei Briefwahlbezirken der Stadt Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg sind die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in sämtlichen 22 ausgewerteten Zahlenfeldern identisch — Wählerzahl, gültige und ungültige Stimmen sowie alle Partei- und Erststimmenwerte bei jeweils 922 gültigen Zweitstimmen. Ausgangspunkt war eine im Netz kursierende Gegenüberstellung; diese Redaktion hat sie anhand der veröffentlichten Wahldaten überprüft und bestätigt gefunden. Ein Abgleich aller 2.661 Wahlbezirke des Landes ergab keinen zweiten solchen Fall. Für das Landesergebnis fällt die Abweichung kaum ins Gewicht; sie betrifft die Qualität der amtlichen Datenerfassung. Bei der Wahl 2021 hatte Gräfenhainichen noch einen einzigen Briefwahlvorstand, 2026 waren es zwei.
Produktion im Juli um 1,1 Prozent gesunken
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juli gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 1,1 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt mit; gegenüber dem Vorjahresmonat sind es 1,6 Prozent. Ausschlaggebend war die Automobilindustrie mit einem Rückgang von 9,2 Prozent zum Vormonat, für den der Verband der Automobilindustrie eine mehrwöchige Produktionspause anführt. Gegenläufig stieg die Energieerzeugung um 4,7 Prozent, vor allem aus Windkraft und Photovoltaik. In den energieintensiven Industriezweigen sank die Produktion um 1,7 Prozent. Im Dreimonatsvergleich lag sie 0,4 Prozent über den drei Monaten zuvor.
Netzengpassmanagement kostete 2025 rund 3,08 Milliarden Euro
Die Kosten dafür, eine Überlastung des Stromnetzes zu verhindern, lagen 2024 bei rund 2,95 Milliarden Euro und 2025 bei rund 3,08 Milliarden Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor (BT-Drucksache 21/7804). Größter Posten ist der Redispatch mit konventionellen Kraftwerken, der entsteht, wenn erneuerbare Anlagen abgeregelt werden: 1,23 Milliarden Euro 2024 und 1,18 Milliarden 2025. Die Vorhaltung von Reservekraftwerken kostete 696 Millionen und im Folgejahr 955 Millionen Euro, ihr Abruf 372 beziehungsweise 412 Millionen. Der finanzielle Ausgleich an Betreiber erneuerbarer Anlagen sank von 554 auf 435 Millionen Euro.
Russland schließt das deutsche Generalkonsulat in Sankt Petersburg
Das russische Außenministerium hat angeordnet, dass das deutsche Generalkonsulat in Sankt Petersburg bis zum 18. September zu schließen ist; die Mitarbeiter der drei Goethe-Institute im Land müssen bis Sonntag ausreisen. Moskau reagiert damit auf die angekündigte Schließung des Russischen Hauses in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn. Hintergrund ist der Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht; Moskau bestreitet das. Bereits 2023 hatte die Bundesregierung Russland vier seiner fünf Generalkonsulate untersagt; Deutschland schloss daraufhin drei eigene Vertretungen.
Neu zur Sabotageserie: neun Vorrichtungen bei Görlitz
Die Polizei hat die Bevölkerung aufgerufen, verdächtige Beobachtungen zu melden. In Sachsen wurden nach diesen Angaben neun selbstgebaute Vorrichtungen in der Nähe des Umspannwerks Graustein bei Görlitz entdeckt, die Kurzschlüsse verursachen sollten; in Nordrhein-Westfalen gab es bei Aachen und in Wuppertal verdächtige Beobachtungen. Am 7. September hatten wir nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden von zwölf Vorrichtungen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz berichtet — ob die neun eine Teilmenge davon sind, ist offen. Tatverdächtig ist weiterhin ein 48-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen. Die bisherigen Versuche führten zu Abschaltungen einzelner Kraftwerksblöcke, zu Stromausfällen kam es nicht.
Russland greift Kiew wieder an
Kurz nach der Abreise der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner hat Russland Kiew erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden sechs Menschen verletzt, herabfallende Trümmer beschädigten zwei Mehrfamilienhäuser. Beide Kriegsparteien hatten für die Dauer des Besuchs auf Angriffe auf die Hauptstädte verzichtet; die russische Agentur Tass meldete das Ende der von Präsident Wladimir Putin angeordneten Pause. Aus der russischen Stadt Saratow wurden ukrainische Drohnenangriffe mit mehreren Verletzten gemeldet. Polen ließ Kampfflugzeuge aufsteigen, um den eigenen Luftraum zu sichern.
Verfassungsschutz erwägt eingeschränkte Weitergabe von Informationen
Der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer hat für den Fall einer AfD-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt Einschränkungen beim Austausch sensibler Geheimdienstinformationen ins Gespräch gebracht. Entstünden konkrete Zweifel am Geheimschutz einer politischen Leitung, müsse der Verfassungsschutz auf eine eingeschränkte Weitergabe vorbereitet sein, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland; das sei „keine politische Sanktion, sondern Risikomanagement". Die Präsidenten der 16 Landesämter und des Bundesamtes beraten von Mittwoch bis Freitag.
CDU in Sachsen-Anhalt stellt sich neu auf
Ministerpräsident Sven Schulze hat als Landesvorsitzender eine Neuwahl des CDU-Landesvorstands für Ende November oder Anfang Dezember in Aussicht gestellt; seine Partei sei nun Opposition. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller, kündigte an, für den Landesvorsitz zu kandidieren; er gilt als Kritiker Schulzes. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte, man führe bereits Gespräche mit anderen Fraktionen und Abgeordneten, äußerte sich zu einer möglichen Zusammenarbeit aber zurückhaltend.
Termine
- Dienstag, 8. September — Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 werden in Berlin vorgestellt.
- Sonntag, 13. September — Kommunalwahl in Niedersachsen.
Vorgeschichte Zur Differenz zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis: Urne 51 Prozent, Briefwahl 24 Prozent — warum die AfD-Differenz auffällt, aber noch keinen Wahlverdacht begründet, Analyse dieser Redaktion vom 7. September.
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