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Volkswagen streicht 50.000 Stellen, der Aufsichtsrat stimmt einstimmig zu

04. September 2026 // Geschrieben von Redaktion
Rubrikbild Die Lage am Morgen: Sonnenaufgang über einer Landschaftssilhouette mit Kirche, Viadukt, Burg und Windmühle, dazu das Fingerklopfer-Logo

Die Lage am Morgen · Freitag, 4. September 2026

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat am Mittwochabend einstimmig ein Programm gebilligt, das konzernweit rund 50.000 Stellen kostet und für vier deutsche Werke keine Anschlussfertigung mehr vorsieht. Zugleich hat die Polizei an einem dritten Umspannwerk binnen einer Woche eine mutmaßliche Sabotagevorrichtung gefunden — diesmal in Dormagen.

Volkswagen benennt erstmals selbst, was die vier Werke erwartet

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat dem „Zukunftsplan 2030" des Vorstands einstimmig zugestimmt. Der Konzern nennt darin eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa und schreibt, für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne „gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034" keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gewährleistet werden; alternative Verwendungen würden geprüft. Vorgesehen sind rund 50.000 abzubauende Stellen weltweit einschließlich Managementposten sowie eine Straffung der Modellpalette um rund 50 Prozent bis 2035. Für die europäischen Werke soll bis Ende Juni 2027 ein Produktionskonzept vorliegen. Vorstandschef Oliver Blume kündigte Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe an. Die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo nannte den Plan eine Notwendigkeit, die nicht einseitig zulasten der Beschäftigten gehen dürfe. Neu zum Bericht vom 2. September: Damals lagen die Standortdaten nur aus einem internen Papier vor, eine eigene Mitteilung des Konzerns gab es nicht. Jetzt gibt es sie, und sie bestätigt die Jahreszahlen.

Neu zum Bericht vom 3. September: Bekennerschreiben und 165 Verdachtsfälle

An einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf hat ein Spaziergänger am Mittwochabend einen verdächtigen Gegenstand gefunden, nach Polizeiangaben vermutlich eine Abschussvorrichtung. Die Kölner Polizei geht nach Eingang eines Bekennerschreibens von einem Sabotagedelikt aus; zu einem Ausfall kam es nicht. Auch zum Anschlag bei Jänschwalde ging bei der Tageszeitung ein Bekennerbrief ein, der von einem Klimaaktivisten stammen soll — die Echtheit ist ungeklärt. Ermittler gehen in beiden Fällen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus und halten einen Zusammenhang für wahrscheinlich; am 2. September hatte noch keine Behörde eine Verbindung gezogen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) kündigte ein Sicherheitszentrum für kritische Infrastruktur an. Nach einem internen Lagebild des Gemeinsamen Abwehrzentrums Hybrid, über das NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichten, zählt das Bundeskriminalamt in diesem Jahr bislang 165 Sabotage-Verdachtsfälle und mehr als 100 Straftaten mit Spionagebezug.

Der Generalbundesanwalt ermittelt seit dem 6. August, zur Zurechnung sagt er nichts

Auf Anfrage dieser Redaktion hat die Pressestelle des Generalbundesanwalts am 2. September mitgeteilt, dass die Bundesanwaltschaft das Verfahren zum Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle selbst führt. Sie hat es am 6. August wegen der besonderen Bedeutung des Falles von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden übernommen; ermittelt wird wegen versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. An der Drohne waren nach diesen Angaben professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht; eine Frachtmaschine, die deswegen durchstarten musste, kollidierte in der Luft mit einem Gegenstand, mutmaßlich einer weiteren Drohne. Mit den polizeilichen Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt. Festnahmen hat es bislang nicht gegeben, teilte die Behörde weiter mit. Zu Zahl und Kreis der Beschuldigten äußert sie sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht. Auf die Frage, ob die von der Bundesregierung erklärte Zurechnung an Russland Gegenstand der Ermittlungen ist, hat sie nicht geantwortet.

Nord-Stream-Prozess beginnt im Oktober in Hamburg

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat das Verfahren gegen einen ukrainischen Staatsangehörigen eröffnet, der die Gruppe angeführt haben soll, die die Pipelines sprengte. Er wurde vor rund einem Jahr in Italien festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft; ein mutmaßlicher Mittäter ist in Kroatien in Auslieferungshaft. Die Anschläge liegen vier Jahre zurück.

EU-Zoll auf Kleinsendungen: 40 Prozent weniger Päckchen

Seit Juli erhebt die EU auf Sendungen aus Drittländern eine Pauschale von mindestens drei Euro je Produktkategorie; zuvor waren Sendungen unter 150 Euro zollfrei. Nach Angaben der Generalzolldirektion ist das Päckchenaufkommen in Deutschland seither um bis zu 40 Prozent zurückgegangen, ähnliche Zahlen kommen aus Frankreich. Die Behörde selbst nennt eine belastbare Bewertung noch nicht möglich: Der Zeitraum seit der Einführung sei dafür zu kurz.

Bundesrat verlangt eine Gebäudedatenbank, die Bundesregierung will sie nicht

Der Bundesrat fordert in einer Stellungnahme zum Wärmeplanungsgesetz eine „flächendeckende, standardisierte und datenschutzkonforme Gebäudedatenbank" (BT-Drucksache 21/7821). Ohne eine bundesweit einheitliche Datenbank könne die Wärmewende im Gebäudesektor nicht gelingen; durch parallele Datenbanken aus EU-Gebäuderichtlinie, Energieeffizienzrichtlinie und Wärmeplanungsgesetz entstünden Doppelstrukturen und Kosten für Kommunen, Länder und Bund. Die Bundesregierung teilt diese Einschätzung nicht: Eine große integrierte Datenbank sei nicht die effizienteste Lösung, besser sei es, die einzelnen Datenbanken über Schnittstellen zu verzahnen.

Grüne verlangen ein Bundestransparenzgesetz

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert die Bundesregierung auf, von Vorhaben zur Beschneidung der Informationsfreiheit abzusehen und das Informationsfreiheitsgesetz zu einem Transparenzgesetz weiterzuentwickeln (BT-Drucksache 21/7791). Der Antrag verlangt einen voraussetzungslosen Anspruch auf Informationszugang, Veröffentlichungspflichten für Bundesbehörden, einen einklagbaren Anspruch auf Open Data und verbindliche Durchsetzungsbefugnisse für den Informationsfreiheitsbeauftragten, dessen Abschaffung im Raum steht.

Weltwetterorganisation warnt vor extremem El Niño

Die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen rechnet damit, dass das Klimaphänomen El Niño gegen Jahresende seinen Höhepunkt erreicht. Im zentral-östlichen Äquatorialpazifik lag die Oberflächentemperatur von Mai bis Juli 1,5 Grad über dem Normalwert, im August bei 2,2 bis 2,6 Grad darüber; in tieferen Schichten war es zeitweise mehr als 8 Grad wärmer als üblich. Die Auswirkungen reichten bis weit in das kommende Jahr. Welche Folgen einzelne Regionen träfen, sei nicht vorhersagbar.

Hessen mischt sich in die Commerzbank-Übernahme ein

In die von der italienischen Unicredit angestrebte Übernahme der Commerzbank hat sich die Landespolitik eingeschaltet. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein traf Unicredit-Chef Andrea Orcel; die Landesregierung fordert nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, dass der rechtliche Sitz in Frankfurt bleibt und die Bank eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts bleibt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will Mitte September mit Orcel sprechen. Der Bund hält gut zwölf Prozent der Anteile.

In eigener Sache

Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sendet diese Redaktion am 6. September ab 17.30 Uhr live: Sachsen-Anhalt entscheidet LIVE — Die Wahlanalyse, die auch auf die Straße schaut.


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