Frankreich: Protesttag endet in Plünderungen, Macron spricht von „Wut und Scham"

Die Lage am Morgen · Montag, 19. Oktober 2026
Ein Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten ist in Frankreich in Plünderungen und Straßenschlachten umgeschlagen; Präsident Macron spricht von „Wut und Scham" und kündigt harte Strafen an. Außerdem: In Berlin entscheiden SPD und Grüne heute über Koalitionsverhandlungen mit der Linken, Hubertus Heil schließt eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz nicht aus, und Trump verteidigt das Aussetzen der Russland-Sanktionen.
Frankreich: Protesttag endet in Plünderungen und Bränden
Am Samstag sind in Frankreich nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände an den Schulen auf die Straße gegangen, die Veranstalter sprechen von 800.000. Der Kern der Proteste blieb friedlich, doch in Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux und Toulouse wurden Geschäfte geplündert, Barrikaden errichtet und Polizisten angegriffen. In Limoges brannte das historische Rathaus nieder, in Bordeaux stürmten Randalierer die Residenz der Präfektin, berichtet die Berliner Zeitung. Das Innenministerium zählt inzwischen rund 2.400 Festnahmen und knapp 1.000 verletzte Einsatzkräfte; auch am Sonntag gab es in Paris wieder Auseinandersetzungen. Macron machte linksradikale Gruppen verantwortlich, denen sich Kriminelle angeschlossen hätten, und kündigte an, die Polizeiarbeit zu überprüfen; wer geplündert habe, müsse den Schaden bezahlen, meldet der Deutschlandfunk. Der Linkspolitiker Mélenchon gibt der Polizeistrategie die Schuld. In Deutschland zeigte sich Grünen-Fraktionschefin Haßelmann erschrocken, der CDU-Abgeordnete Bury sieht eine Warnung vor verharmlostem Linksextremismus, AfD-Chefin Weidel nennt Migration als Ursache, fasst der Deutschlandfunk zusammen. Das Auswärtige Amt rät Deutschen in Frankreich, Demonstrationen zu meiden, schreibt die Welt.
Berlin: SPD und Grüne entscheiden über Rot-Grün-Rot
Neu zu unserem Bericht vom Donnerstag, als die Sondierungen weitergingen: Heute entscheiden die Berliner Grünen auf einem kleinen Parteitag und die SPD in ihrem Landesvorstand, ob sie mit der Linken Koalitionsverhandlungen aufnehmen; die Linke stimmt erst am 31. Oktober ab. Im Sondierungspapier stehen die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, 100.000 neue Wohnungen und mehr Nahverkehr. Zwanzig SPD-Bundestagsabgeordnete warnen in einer Erklärung, es gebe erhebliche Zweifel an der politischen Verlässlichkeit der Berliner Linken, meldet der Deutschlandfunk. Umstritten ist auch ein Satz zum Wahlrecht: Die drei Parteien setzen sich für das aktive und passive Wahlrecht auf Landes- und Kommunalebene „im Rahmen unserer Kompetenzen für alle Menschen nach fünf Jahren Aufenthalt" ein. Für das Abgeordnetenhaus ist bisher die deutsche Staatsangehörigkeit Voraussetzung; Unionsfraktionsvize Krings (CDU) hält den Plan für verfassungswidrig, schreibt die Welt. Die Junge Union verlangt, eine solche Landesregierung von Informationen des Verfassungsschutzes und des BKA auszuschließen; CSU-Chef Söder wirft der Berliner Linken „tief verwurzelten Antisemitismus" vor. Grünen-Chef Banaszak will den Umgang mit Antisemitismus vor einem Koalitionsvertrag geklärt sehen, berichtet der Deutschlandfunk.
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NEWSLETTER ABONNIERENSPD: Heil schließt Kandidatur nicht aus, Länder warnen vor Zugstreichungen
Neu zu unserem Bericht vom Dienstag: Der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil kann nach eigenen Worten „nicht ausschließen", beim SPD-Parteitag im Januar für den Vorsitz anzutreten. Er macht das von der inhaltlichen Ausrichtung abhängig, gegen die Koalition stelle er sich nicht, meldet der Deutschlandfunk. Unionsfraktionschef Frei nannte die Kritik aus der SPD am Umgang der Union mit Bärbel Bas „maßlos", schreibt die Welt. Ärger droht der Koalition auch bei der Bahn: Die Bahntochter DB InfraGo will die Gebühren für die Nutzung der Gleise im Regionalverkehr 2027 um 7,7 Prozent anheben, nachdem der Europäische Gerichtshof im März die Trassenpreisbremse gekippt hat. Die Verkehrsminister der Länder verlangen mehr Geld vom Bund; Schleswig-Holstein fürchtet Streichungen von Zügen, Nordrhein-Westfalen will 2027 noch keine abbestellen, berichtet Nius nach dpa und Bild. Am Mittwoch und Donnerstag treffen sich die Verkehrsminister in Hohenschwangau.
Ukraine: Trump verteidigt das Aussetzen der Sanktionen
Neu zu unserem Wochenrückblick: US-Präsident Trump verteidigt, dass er neue Sanktionen gegen Russland ausgesetzt hat. Er verhandle über einen Frieden und wolle nichts tun, was Russland vom Verhandlungstisch vertreibe; Selenskyj warf er vor, russische Dieselraffinerien angreifen zu lassen. Selenskyj sagte dem Sender NBC, sollte sich Washington auf Moskaus Seite stellen, könne sein Land nicht überdauern; zugleich dankte er, dass die USA wieder Geheimdienstinformationen liefern, meldet der Deutschlandfunk. Nach einem Bericht des Wall Street Journal, den die Welt wiedergibt, schlägt Kremlchef Putin ein Gipfeltreffen mit Chinas Präsident Xi und Trump zum Krieg vor, ohne Selenskyj.
Kurz gemeldet
- Leipzig/Halle: Am Flughafen hat in der Nacht ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit den Zaun durchbrochen; ob es ein Anschlagsversuch oder ein Unfall war, ist offen, das Fahrzeug wurde nicht gefunden.
- Investitionsgipfel: Heute trifft sich in Berlin „Invest in Germany"; angekündigt ist eine KI-Partnerschaft mit Nvidia.
Termine
- Montag, 19. Oktober — Berlin: Abstimmungen bei Grünen und SPD; Investitionsgipfel „Invest in Germany".
- Mittwoch, 21., und Donnerstag, 22. Oktober — Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau.
- Samstag, 31. Oktober — Parteitag der Berliner Linken zur Koalition.
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