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Völlig verzockt und ausgenommen! Deutschlands geoökonomischer Irrweg in der Ukraine

10. Oktober 2026 // geschrieben von Chris Ernst (Gastbeitrag)

Die Geschichte der Geopolitik verzeiht keine moralischen Sentimentalitäten; sie richtet sich nach den kalten Gesetzen von Geografie, Ökonomie und physischer Macht. Wenn heute ukrainische Drohnen – finanztechnisch erst ermöglicht durch die massive budgetäre Substitution aus Berlin – Infrastrukturziele in der Region Moskau angreifen, dann ist das weit mehr als militärische Selbstverteidigung, es ist ein völlig unnötiger Angriff. Es ist das Symbol einer tragischen Paradoxie: Ein hochgradig marodes, wirtschaftlich stagnierendes Deutschland finanziert mittelbar die Zerstörung der Substanz jenes Landes, mit dem es aus geoökonomischen Sachzwängen heraus in der Nachkriegsordnung der kommenden Jahrzehnte unweigerlich wieder koexistieren und Handel treiben muss.

Der finanzielle Dominoeffekt im russischen Hinterland

Es ist ein offenes Geheimnis der Kriegswirtschaft, dass Geld fungibel ist. Jeder Euro, den Berlin zur Stützung des ukrainischen Kernhaushalts überweist, hält in Kiew den Staatsapparat künstlich am Leben und setzt im Gegenzug exakt jene nationalen Devisen frei, die in die Produktion von Langstreckendrohnen fließen. Wenn diese Flugkörper in der Region Moskau Raffinerien beschädigen oder den Flugverkehr lahmlegen, hinterlässt dies langfristige Narben – nicht nur in der russischen Erde, sondern in den zukünftigen bilateralen Beziehungen. Das eiserne Gesetz der Ökonomie besagt, dass industrielle Großmächte und rohstoffreiche Giganten komplementäre Partner sind. Die Geschichte nach 1945 hat an den Beispielen USA-Japan oder USA-Deutschland bewiesen, dass wirtschaftliche Interessen ideologische Gräben überdauern. Russland bleibt eine geografische Konstante vor der Haustür Europas. Wer heute die Brücken der Infrastruktur im russischen Kernland sprengt, erhöht die zukünftigen Reparaturkosten für eine Normalisierung, die aus ökonomischer Vernunft irgendwann zwingend folgen muss und verstärkt Widerstände und Ängste.

Das Anreiten gegen die tektonischen Platten der Macht

Während sich die politische Elite in Berlin in einem moralischen Sendungsbewusstsein sonnt, haben sich die globalen Machtachsen längst verschoben. Die tektonischen Platten der Weltordnung driften unaufhaltsam weg von der eurozentrischen und transatlantischen Dominanz. Die Musik der Weltpolitik und der Finanzmärkte spielt heute im Dreieck Washington, Peking und Moskau sowie in den Korridoren der expandierenden BRICS-Staaten. Während der globale Süden neue, vom Dollar unabhängige Finanz- und Handelsstrukturen zementiert, klammert sich Deutschland an das Relikt einer NATO, deren Hauptgarant – die USA – den Fokus unwiderruflich in den Indopazifik verlagert hat. Der Versuch, in einer multipolaren Weltordnung den moralischen Weltpolizisten zu spielen, ohne über die atomare Abschreckung, die Rohstoffautarkie oder die militärische Schlagkraft der Großmächte zu verfügen, grenzt an strategische Blindheit.

Die Tragikomödie des Berliner und Kiewer Personals

In diesem globalen Theater nehmen die handelnden Akteure zunehmend Züge klassischer literarischer Tragikomödien an. Friedrich Merz inszeniert sich in einer Mischung aus Don Quijote und einem glücklosen Pokerspieler, der glaubt, sich mit dem Geld der eigenen Steuerzahler und der verbleibenden Substanz des deutschen Wirtschaftsstandorts einen Platz am Tisch der Weltmächte erkaufen zu können. Sein populistisches Lavieren ignoriert die nackten Wirtschaftsdaten des eigenen Landes, das unter den höchsten Energiepreisen und einer schleichenden Deindustrialisierung leidet. Flankiert wird dieses Agieren von Figuren wie Lars Klingbeil, der als Sancho Panza der Berliner Republik das bauernschlaue Verwalten des Status quo und den kurzfristigen parteipolitischen Machterhalt über die langfristige „Grand Strategy" des Landes stellt.

Am härtesten bricht sich die Realität jedoch an der Figur Wolodymyr Selenskyjs. Vom Westen als Lichtgestalt der Demokratie inszeniert, agiert er in einem Staat, dessen systemische Korruption auch während des Krieges ein offenes Geheimnis geblieben ist. Längst hat der ehemalige Komiker sein Mandat ohne reguläre Wahlen verlängert und den politischen Pluralismus eingefroren. Während das ukrainische Volk die endliche Ressource der Menschenleben an einer statischen Front aufzehrt, um eine militärisch utopische Rückeroberung der Grenzen von 1991 zu jagen, zeichnet sich im Hintergrund bereits das juristische und politische Nachspiel ab. Es ist völlig ungesichert, ob Selenskyj nach dem unweigerlichen Ende der Kampfhandlungen nicht im eigenen Land mit schweren Verfahren wegen der Aussetzung der Verfassung und der militärischen Führung konfrontiert wird.

Fazit

Der aktuelle Kurs der deutschen Außenpolitik opfert die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und die geopolitische Flexibilität des Landes für ein militärisches Patt, das ohne die totale Fremdfinanzierung im selben Moment in sich zusammenbricht. Wer mit schlechten Karten am Tisch der Supermächte blufft und dabei die eigene wirtschaftliche Basis als Einsatz verbrennt, wird am Tag X der Abrechnung feststellen, dass der Frieden über die Köpfe Berlins hinweg diktiert wird – und Deutschland ohne Energie, ohne Industrie und ohne Partner dasteht.

Redaktionshinweis

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