Schockanrufe in der Region: Drei Fälle in einer Woche

In Linter, in Wetzlar und in Hadamar haben Betrüger binnen einer Woche ältere Menschen mit einer erfundenen Notlage angerufen. Zweimal ging die Masche schief, weil Angehörige die Polizei riefen, einmal übergab eine 87-Jährige Wertsachen für rund 15.000 Euro. Was die drei Fälle gemeinsam haben, wie die Täter nach Angaben der Ermittler arbeiten und was man tun sollte.
Die Fälle
Linter, Donnerstag, 15. Oktober. Ein Unbekannter ruft ein Ehepaar an, gibt sich als Staatsanwalt aus und erfindet eine Notlage. Während die Frau weiterredet, verständigt ihr Mann die Polizei. Als eine 40-Jährige an der Haustür klingelt, um mutmaßlich Geld oder Wertsachen abzuholen, wird sie festgenommen, teilen Staatsanwaltschaft Limburg und Polizei mit (ots).
Wetzlar, Freitag, 16. Oktober. Ein angeblicher Staatsanwalt erzählt einer 87-Jährigen, ihre Tochter habe in Frankreich einen tödlichen Unfall verursacht und müsse ohne Kaution ins Gefängnis. Die Frau übergibt Bargeld, Schmuck und Goldunzen im Wert von etwa 15.000 Euro an einen Abholer; bekannt wird der Fall erst danach, meldet die Polizei (ots).
Hadamar, Dienstag, 20. Oktober. Eine angebliche Polizeibeamtin ruft eine 73-Jährige an: Die Tochter habe jemanden angefahren, eine Kaution verhindere die Haft. Der Sohn erkennt die Masche und geht zur Polizei. Bei einer fingierten Übergabe eines leeren Stoffbeutels werden drei Verdächtige festgenommen, darunter der Fahrer nach kurzer Verfolgung (ots).
Auch in der Nachbarschaft: Im Kreis Marburg-Biedenkopf übergab eine 87-Jährige nach einem Anruf am 14. Oktober 73.100 Euro; zivile Einsatzkräfte hatten den Abholer schon im Blick, nahmen den 18-Jährigen nach der Übergabe fest, und die Frau bekam ihr Geld zurück (ots). Im Raum Montabaur hatte die Polizei im September vor einer Häufung solcher Anrufe gewarnt; dort hatten alle bekannten Angerufenen rechtzeitig aufgelegt (ots).
Das Muster
Die Geschichte ist fast immer dieselbe: Ein naher Angehöriger soll einen schweren Unfall verursacht haben, nur eine sofortige Kaution verhindere die Haft. Die Anrufer geben sich als Polizei oder Staatsanwaltschaft aus, setzen kurze Fristen und schicken einen Abholer an die Haustür. Nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt betreiben international organisierte Gruppen diese Masche; die Anrufe kämen in der Regel aus dem europäischen Ausland, und zwischen dem ersten Anruf und der Übergabe vergehe mitunter weniger als eine Stunde. Den meist älteren Opfern entstünden neben dem finanziellen Schaden auch schwere seelische Belastungen (ots). Die Polizei Mittelhessen berichtet von Gesprächen, die sich teils über Stunden hinziehen und in denen der Druck immer weiter steigt (ots).
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NEWSLETTER ABONNIERENWas man tun sollte
Die Hinweise von Polizei und Generalstaatsanwaltschaft:
- Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte holen niemals Geld oder Wertsachen ab und verlangen am Telefon keine Kaution.
- Wer angeblich von der Polizei angerufen und nach Vermögen gefragt wird, sollte selbst auflegen und dann selbst die örtliche Dienststelle oder die 110 wählen – mit einer Nummer, die man selbst herausgesucht hat, nicht mit einer, die der Anrufer nennt.
- Angehörige über die bekannte Nummer anrufen und fragen, ob wirklich etwas passiert ist.
- Nie Geld, Schmuck oder Gold an Unbekannte übergeben.
- Mit älteren Angehörigen über die Masche sprechen und ihnen sagen, dass sie jederzeit anrufen können.
Die Polizeidirektion Limburg-Weilburg bietet eine persönliche Präventionsberatung an, zu erreichen über praevention.pd-lm.ppwh@polizei.hessen.de (ots).
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