Es war ein Abend, der mehr Publikum verdient gehabt hätte. Am 20. Oktober 2026 war mit Prof. Dr. Michael Esfeld einer der profilierten Vertreter einer freiheitlich orientierten Wissenschaftsphilosophie im Hayek-Club Wiesbaden zu Gast. Der Professor der Universität Lausanne, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und stellvertretende Vorsitzende der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft, hatte eine achtstündige Anreise aus der Schweiz auf sich genommen, um sein Buch „Selbstbestimmt jetzt!“ vorzustellen und über die Zukunft der Aufklärung zu sprechen. Doch der Kreis der Zuhörer blieb erstaunlich überschaubar. Gerade angesichts der gesellschaftlichen Relevanz des Themas und des wissenschaftlichen Renommees des Referenten war das durchaus bemerkenswert.
An der Qualität des Abends lag es jedenfalls nicht. Esfeld erwies sich als ebenso kenntnisreicher wie streitbarer Redner, der philosophische Grundlagen mit einer schonungslosen Kritik an den politischen Entwicklungen der Gegenwart verband. Sein Vortrag war keine akademische Fingerübung, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer für die Selbstbestimmung des Einzelnen. Und die anschließende Diskussion zeigte, dass sein Optimismus keineswegs von allen Anwesenden geteilt wurde.
Die Aufklärung hat uns Wohlstand gebracht – aber keine Mündigkeit
Esfeld begann mit einem bemerkenswerten Gedankenexperiment. Man solle Immanuel Kants berühmten Aufsatz „Was ist Aufklärung?“ lesen und darin lediglich einige Begriffe austauschen: An die Stelle religiöser Vormünder träten heute die Experten, an die Stelle der Religion die Wissenschaft. Er selbst, so Esfeld, könne danach kaum noch einen Unterschied zwischen den von Kant kritisierten Verhältnissen des 18. Jahrhunderts und der Gegenwart erkennen.
Das ist eine provokante These. Schließlich gilt die moderne westliche Gesellschaft gemeinhin als aufgeklärt, wissenschaftsorientiert und demokratisch. Doch genau diese Selbstgewissheit stellte Esfeld infrage. Während die Aufklärung auf technologischer und materieller Ebene einen beispiellosen Erfolg erzielt habe, sei ihr eigentliches Versprechen, den Menschen aus seiner Unmündigkeit zu befreien, weitgehend unerfüllt geblieben.
Die Lebenserwartung sei gestiegen, Krankheiten und Naturgewalten hätten einen erheblichen Teil ihres früheren Schreckens verloren, Kommunikation und Mobilität hätten Möglichkeiten eröffnet, von denen Menschen zu Kants Zeiten nicht einmal träumen konnten. Gleichzeitig aber hätten sich politische und gesellschaftliche Machtstrukturen entwickelt, die eigenständiges Denken zunehmend durch die Berufung auf vermeintlich unfehlbare Autoritäten ersetzten.
Die Corona-Jahre waren für Esfeld der sichtbarste Ausdruck dieser Entwicklung. Nicht mehr das kritische Hinterfragen wissenschaftlicher Erkenntnisansprüche habe im Mittelpunkt gestanden, sondern die Unterordnung unter jene Experten, die von politischen Entscheidungsträgern als maßgeblich präsentiert wurden. Dabei sei gerade der Zweifel das Fundament echter Wissenschaft.
Für Esfeld liegt darin ein fundamentaler Widerspruch: Eine Gesellschaft, die sich auf die Aufklärung beruft, gleichzeitig aber ihre Bürger zum Vertrauen in staatlich legitimierte Autoritäten anhält, habe deren wichtigste Errungenschaft aus dem Blick verloren.
Wie aus dem Befreiungsversprechen eine neue Machtkonzentration wurde
Die Ursachen dieses Scheiterns verortet Esfeld sowohl in der politischen als auch in der philosophischen Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert.
Politisch sei der entscheidende Fehler die zunehmende Zentralisierung staatlicher Macht gewesen. Ursprünglich sollte der moderne Staat die Privilegien von Adel und Kirche überwinden und gleiche Rechte für alle schaffen. Doch indem er Bildung, wirtschaftliche Infrastruktur und später auch die sozialen Sicherungssysteme immer stärker an sich zog, entstanden nach Esfelds Auffassung neue Abhängigkeiten, die den alten Herrschaftsstrukturen in mancher Hinsicht kaum nachstünden.
Besonders kritisch sieht er die enge Verflechtung zwischen staatlicher Macht und wirtschaftlichen Interessen. Wo Unternehmen nicht mehr die Verbraucher überzeugen müssten, sondern politische Entscheidungsträger dazu bringen könnten, bestimmte Produkte oder Dienstleistungen vorzuschreiben, entstehe ein System, das weniger dem freien Markt als einem politisch organisierten Kapitalismus gleiche.
Auch die Wissenschaft verliere ihre Unabhängigkeit, wenn staatliche Institutionen darüber entschieden, welche Positionen als legitim gelten und welche nicht. Das Problem sei nicht die Existenz wissenschaftlicher Expertise, sondern ihre Verwandlung in eine Autorität, deren Aussagen der öffentlichen Überprüfung entzogen würden.
Philosophisch führte Esfeld seine Kritik von René Descartes und Immanuel Kant zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Während Kant die einzelne Person als vernunftbegabtes, freies und moralisch eigenständiges Wesen in den Mittelpunkt gestellt habe, sei in der späteren Philosophie zunehmend das Kollektiv an ihre Stelle getreten. Sobald vermeintlich übergeordnete gesellschaftliche Ziele die Rechte des Einzelnen verdrängten, öffne sich nach seiner Überzeugung der Weg zu autoritären und schließlich totalitären Herrschaftsformen.
Die Konsequenz daraus ist für Esfeld eindeutig: Nicht der Mensch habe sich vor der Politik zu rechtfertigen, sondern politische Herrschaft müsse sich gegenüber dem selbstbestimmten Menschen legitimieren.
Sein Gegenentwurf ist entsprechend weitreichend. Der Staat solle sich auf wenige Kernaufgaben, insbesondere den Schutz vor Gewalt und die Sicherung einer Rechtsordnung, beschränken. Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft müssten möglichst frei von politischer Steuerung organisiert werden. Auch den Anspruch, durch parlamentarische Mehrheitsentscheidungen beliebige Regeln zu verbindlichem Recht erheben zu können, stellte Esfeld grundsätzlich infrage.
Über Einzelheiten dieser radikalen Staatskritik lässt sich trefflich streiten. Ihr gedanklicher Ausgangspunkt verdient jedoch Aufmerksamkeit: Freiheit ist für Esfeld nicht etwas, das der Staat seinen Bürgern gewährt. Sie ist ein ursprüngliches Recht, dessen Einschränkung einer besonderen Rechtfertigung bedarf.
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Eine neue Aufklärung – und ein bemerkenswerter Optimismus
Trotz seiner fundamentalen Kritik an den bestehenden Verhältnissen ist Esfeld keineswegs resigniert. Ganz im Gegenteil. Er sieht durchaus die Möglichkeit, der Selbstbestimmung wieder gesellschaftliche Geltung zu verschaffen.
Dafür brauche es allerdings mehr als die Kritik an einzelnen politischen Fehlentscheidungen. Esfeld fordert ein positives Narrativ der Freiheit. Die Menschen müssten wieder selbstverständlich davon ausgehen, dass jeder sein Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten dürfe, solange er nicht in die Rechte anderer eingreife.
Dabei gehe es nicht um die Durchsetzung eines bestimmten Lebensmodells. Vielmehr sollten unterschiedliche Lebensentwürfe, Überzeugungen und Formen gesellschaftlicher Zusammenarbeit gleichberechtigt nebeneinander bestehen können.
Besonders eindringlich wurde seine Argumentation dort, wo er die Gefahren ständig wechselnder politischer Bedrohungsszenarien ansprach. Ob Pandemie, Klimawandel oder Krieg – politische Macht könne immer neue Begründungen finden, um ihren Einfluss auf das Leben der Menschen auszudehnen. Wer sich lediglich an den jeweils aktuellen Themen abarbeite, laufe Gefahr, den dahinterliegenden Mechanismus aus den Augen zu verlieren.
Seine Antwort lautet deshalb, nicht jedem neuen politischen Narrativ hinterherzulaufen, sondern die grundlegenden Machtstrukturen infrage zu stellen.
Darin liegt auch sein Optimismus begründet. Esfeld erinnerte daran, dass die Freiheitsrechte der westlichen Welt historisch keineswegs von den Herrschenden freiwillig gewährt worden seien. Sie seien gegen bestehende Machtverhältnisse erkämpft worden. Auch die friedliche Revolution von 1989 diente ihm als Beispiel dafür, dass scheinbar unveränderliche politische Systeme überwunden werden können.
Warum, so seine sinngemäße Frage, sollte dies heute nicht erneut möglich sein?
Die Diskussion: Wie frei ist eine Gesellschaft, in der Widerspruch seinen Preis hat?
Gerade an dieser Stelle entwickelte sich im Anschluss eine lebhafte und teilweise kontroverse Diskussion. Denn während Esfeld auf die langfristige Durchsetzungskraft der Freiheit vertraut, wurde aus dem Publikum wiederholt auf die ganz konkreten gesellschaftlichen Hindernisse hingewiesen.
Ein Teilnehmer beschrieb die Macht öffentlich-rechtlicher Medien, die seiner Auffassung nach durch die Auswahl von Gesprächspartnern und die Inszenierung politischer Debatten maßgeblich beeinflussten, welche Meinungen als gesellschaftlich akzeptabel gelten. Noch gravierender sei allerdings die zunehmende Stigmatisierung Andersdenkender. Wer von bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Positionen abweiche, müsse nicht nur mit öffentlicher Kritik rechnen, sondern unter Umständen auch mit erheblichen beruflichen und wirtschaftlichen Konsequenzen.
Esfeld widersprach diesem Pessimismus. Gerade die Entwicklung seit der Corona-Zeit zeige, dass sich Menschen mit abweichenden Positionen zunehmend vernetzten und eine eigene Öffentlichkeit schaffen könnten. Alternative Medien, unabhängige Zusammenschlüsse und freiheitliche Organisationen hätten die frühere Deutungshoheit etablierter Institutionen zumindest teilweise durchbrochen.
Gleichzeitig zeigte er Verständnis für Menschen, die ihre abweichenden Überzeugungen nicht öffentlich äußern. Nicht jeder könne die gleichen Risiken eingehen. Wer berufliche Verantwortung trage oder eine Familie ernähren müsse, befinde sich in einer anderen Situation als jemand, dessen wirtschaftliche Existenz gesichert sei. Auch Menschen, die innerhalb bestehender Institutionen stillschweigend gegen problematische Entwicklungen arbeiteten, könnten einen Beitrag leisten.
Ein interessantes Spannungsverhältnis, das an diesem Abend immer wieder sichtbar wurde: Einerseits braucht eine freiheitliche Gesellschaft Menschen, die bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen. Andererseits gehört zu dieser Freiheit gerade auch das Recht, selbst darüber zu entscheiden, welche persönlichen Risiken man einzugehen bereit ist.
Besonders deutlich wurde die Problematik am diskutierten Fall des Publizisten und Medienwissenschaftlers Norbert Bolz, gegen den wegen einer Äußerung in sozialen Medien strafrechtlich vorgegangen wurde. Die Teilnehmer beschäftigte dabei weniger die einzelne Formulierung als deren mögliche abschreckende Wirkung auf andere Bürger.
Esfeld bewertete die Vorgänge ausgesprochen kritisch, hielt jedoch dagegen, dass eine zunehmende Überdehnung staatlicher Eingriffsmöglichkeiten auch Widerstand hervorrufen könne.
Noch interessanter war seine Warnung vor der bloßen Auswechslung politischer Akteure. Selbst wenn gegenwärtig dominierende politische Kräfte an Einfluss verlören, sei damit noch keineswegs garantiert, dass die individuelle Freiheit gestärkt werde. Politische und wirtschaftliche Interessengruppen könnten ihre Unterstützung schlicht neuen Mehrheiten zuwenden. Esfeld verwies dabei ausdrücklich auf die Gefahr, dass auch eine künftig erfolgreiche AfD in bestehende Machtstrukturen eingebunden und von diesen vereinnahmt werden könnte.
Nicht die politische Farbe der Regierung sei letztlich entscheidend, sondern die Begrenzung der Macht, die eine Regierung überhaupt ausüben könne.
Das ist ein wichtiger Gedanke, gerade in einer Zeit, in der politische Veränderungen von vielen Menschen vor allem mit der Hoffnung auf andere Parteien und andere Mehrheiten verbunden werden.
Wo Esfelds Optimismus an seine Grenzen stößt
So überzeugend Esfelds philosophische Herleitung der Selbstbestimmung ist, so sehr bleibt aus meiner Sicht eine entscheidende Frage offen: Wie soll eine Gesellschaft den Weg zurück zur individuellen Freiheit finden, wenn ihr zunehmend jene Voraussetzungen abhandenkommen, die einen friedlichen Wettbewerb der Argumente überhaupt erst ermöglichen?
Die politische Polarisierung hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, bei dem Andersdenkende nicht mehr nur als politische Gegner betrachtet werden, sondern immer häufiger als moralisch minderwertig, gefährlich oder grundsätzlich illegitim. Wo politische Zugehörigkeit über gesellschaftliche Anerkennung entscheidet, verliert die sachliche Auseinandersetzung ihren gemeinsamen Boden.
Dazu kommt eine Entwicklung, die ich für noch bedenklicher halte: Die wachsenden Zweifel an der politischen Neutralität staatlicher Institutionen, insbesondere der Justiz.
Der Rechtsstaat lebt nicht allein davon, dass Gesetze existieren und Gerichte Urteile sprechen. Er lebt vor allem von dem Vertrauen, dass Recht unabhängig von politischen Mehrheitsverhältnissen, weltanschaulichen Präferenzen und gesellschaftlichem Zeitgeist angewendet wird.
Dieses Vertrauen gerät unter Druck, wenn der Eindruck entsteht, dass politisch unerwünschte Äußerungen mit besonderer Härte verfolgt werden, während vergleichbare Grenzüberschreitungen aus anderen politischen Lagern weniger Aufmerksamkeit erfahren. Ob und in welchem Umfang sich ein solcher Eindruck durch eine systematische Untersuchung gerichtlicher Entscheidungen bestätigen lässt, ist eine eigenständige Frage. Ihn pauschal als unbegründet abzutun, wäre jedoch ebenso falsch wie jede umstrittene Entscheidung bereits als Beweis politischer Steuerung zu behandeln.
Gerade deshalb müssen Staatsanwaltschaften und Gerichte sich einer besonders kritischen öffentlichen Betrachtung stellen. Entscheidungen, die tief in die Meinungsfreiheit eingreifen, bedürfen einer überzeugenden rechtlichen Begründung und müssen unabhängig von der politischen Haltung der Betroffenen nachvollziehbar sein.
Denn hier liegt ein entscheidender Unterschied zu Esfelds historischem Vergleich mit 1989: Eine freiheitliche Veränderung setzt nicht nur mutige Bürger voraus, sondern auch Institutionen, die politische Konflikte nach rechtsstaatlichen Maßstäben austragen und die Grenzen staatlicher Macht respektieren.
Wenn sich hingegen der Eindruck verfestigt, dass Rechtsprechung zunehmend zum Instrument gesellschaftspolitischer Auseinandersetzungen wird und dabei vor allem den jeweils vorherrschenden linken Zeitgeist absichert, wird es erheblich schwieriger, Menschen von der Möglichkeit eines friedlichen Wandels zu überzeugen. Selbst dort, wo dieser Eindruck einer differenzierten rechtlichen Prüfung nicht standhält, kann bereits der Vertrauensverlust beträchtlichen Schaden anrichten.
Auch die sozialen Kosten des Widerspruchs dürfen nicht unterschätzt werden. Es mag stimmen, dass sich heute mehr kritische Gegenöffentlichkeit organisieren lässt als noch vor einigen Jahren. Wer allerdings seine wirtschaftliche Existenz, seinen Arbeitsplatz oder seinen gesellschaftlichen Ruf gefährdet sieht, wird die Möglichkeiten individueller Selbstbestimmung anders bewerten als ein etablierter Wissenschaftler mit internationalem Renommee.
Esfeld hat diesen Einwand in der Diskussion durchaus anerkannt. Seine Antwort, dass jeder nach seinen Möglichkeiten handeln und nicht jeder den gleichen Mut aufbringen müsse, ist menschlich nachvollziehbar. Offen bleibt jedoch, ob die Summe individueller Entscheidungen ausreicht, um gesellschaftliche Machtstrukturen tatsächlich zu verändern.
Vor allem dann, wenn die gesellschaftlichen Lager immer weniger miteinander sprechen, sondern zunehmend nur noch übereinander urteilen.
Ein Abend, der nachwirkt
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Vortragsabends. Michael Esfeld hat keine einfache Gebrauchsanweisung für den politischen Wandel geliefert. Er hat vielmehr daran erinnert, dass Freiheit einen philosophischen und moralischen Kern besitzt, der weit über Parteipolitik und Tagesfragen hinausreicht.
Seine Forderung nach einer neuen Aufklärung richtet sich dabei nicht allein gegen staatliche Übergriffigkeit, sondern auch gegen die Bequemlichkeit, das eigene Urteil dauerhaft an vermeintliche Autoritäten auszulagern.
Dass der Professor dafür eine achtstündige Anreise nach Wiesbaden unternahm und vor einem vergleichsweise kleinen Publikum sprach, verdient Anerkennung. Die anschließende Diskussion war intensiv, stellenweise kontrovers und keineswegs von uneingeschränkter Zustimmung geprägt. Gerade das machte sie wertvoll.
Am Ende bleibt ein bemerkenswerter Kontrast: Hier ein Philosoph, der trotz aller Erfahrungen der vergangenen Jahre an die Kraft freier Menschen glaubt. Dort die berechtigte Sorge, dass gesellschaftliche Spaltung, Konformitätsdruck und ein schwindendes Vertrauen in rechtsstaatliche Neutralität diesen Weg erheblich erschweren.
Ich teile Esfelds Überzeugung, dass individuelle Selbstbestimmung zum unverzichtbaren Fundament einer freien Gesellschaft gehört. Seinen Optimismus, dass sie sich unter den heutigen Bedingungen wieder durchsetzen lässt, teile ich allerdings nur eingeschränkt.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht allein, ob Menschen frei sein wollen. Sie lautet auch, ob unsere Gesellschaft noch bereit ist, die Freiheit des Andersdenkenden zu respektieren – gerade dann, wenn dessen Überzeugungen den eigenen fundamental widersprechen.
Solange diese Bereitschaft schwindet, wird eine neue Aufklärung schwerlich gelingen.
Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Freiheit beginnt mit dem eigenen Denken. Aber sie bewährt sich erst im Umgang mit dem Widerspruch anderer.