5,7 Millionen Überschuldete, ein Gesetz im Vermittlungsausschuss

Die Lage am Morgen · Freitag, 18. September 2026
In Deutschland sind 5,7 Millionen Erwachsene überschuldet, 110.000 mehr als im Jahr zuvor. Häufigster Auslöser ist Krankheit. Kommende Woche verhandeln Bundestag und Bundesrat über ein Gesetz, das kostenlose Schuldnerberatung überall sichern soll. Außerdem: Karlsruhe rügt Durchsuchungen bei Unverdächtigen, die Bundesanwaltschaft lässt einen mutmaßlichen Anschlagsplaner festnehmen, und in Russland hat die Wahl zur Staatsduma begonnen.
Mehr Überschuldete — und ein gescheitertes Gesetz vor dem Vermittlungsausschuss
Rund 5,7 Millionen Erwachsene waren im vergangenen Jahr überschuldet, etwa 110.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen hervor, über den der Deutschlandfunk berichtet. Besonders betroffen sind Alleinerziehende; die mittlere Schuldenhöhe der ausgewerteten Fälle liegt bei gut 19.000 Euro je Person. Häufigster Auslöser sind gesundheitliche Probleme, danach folgen Arbeitslosigkeit oder reduzierte Arbeit und gescheiterte Selbstständigkeit; das Konsumverhalten steht an vierter Stelle. Als überschuldet gilt, wer seine Schulden auch bei gesenktem Lebensstandard nicht bezahlen kann.
Am Mittwoch, 23. September, befasst sich der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat mit dem Schuldnerberatungsdienstegesetz. Es verpflichtet die Länder, ein flächendeckendes Netz von Beratungsstellen bereitzustellen, in denen sich Betroffene kostenlos beraten lassen können; beraten dürfen nur Anbieter ohne eigene kommerzielle Interessen. Das Gesetz setzt die EU-Verbraucherkreditrichtlinie um, die bis November 2025 umzusetzen war. Im Bundesrat fand es am 8. Mai keine Mehrheit, woraufhin die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss anrief. Es ist dessen zweite Sitzung in dieser Wahlperiode; die Sitzung ist nicht öffentlich.
Karlsruhe: Durchsuchung bei Mitbewohnern war verfassungswidrig
Das Bundesverfassungsgericht hat zwei Verfassungsbeschwerden gegen Durchsuchungen bei nicht verdächtigen Personen stattgegeben. Beide Beschwerdeführer wohnten mit Menschen zusammen, gegen die ermittelt wurde — einmal in einem Wohnprojekt in Chemnitz, einmal in einer Nürnberger Wohngemeinschaft; beide hatten eigene, abschließbare Räume. Die Gerichte ordneten dennoch Durchsuchungen ihrer Zimmer an. Das verletzt nach dem Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 3. August das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung: Die Beschlüsse verkennen die erhöhten Anforderungen, die für eine Durchsuchung bei Unverdächtigen gelten. In beiden Fällen ging es um den Verdacht der Sachbeschädigung gegen die Mitbewohner — Plakate und Graffiti. In Nürnberg hatte die Polizei angeregt, auch die Zimmer der Mitbewohner zu durchsuchen, weil diese „Personen des linksextremen Spektrums" seien. Die Sachen gehen an die Landgerichte zurück, die Länder müssen die Auslagen erstatten.
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NEWSLETTER ABONNIERENFestnahme: Anschlagsplan gegen eine Kirche in Bremen
Die Bundesanwaltschaft hat im Landkreis Barnim in Brandenburg einen irakischen Staatsangehörigen festnehmen lassen. Sie wirft Gailan Al-M. die versuchte Gründung einer terroristischen Vereinigung, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Nach dem Haftbefehl teilt er die Ideologie der Terrororganisation „Islamischer Staat" und plante im Frühjahr 2025 mit weiteren Personen Anschläge in Deutschland. Er soll sich eine Schusswaffe beschafft und eine Kirche in Bremen als erstes Ziel ausgekundschaftet haben; eine weitere Person gewann er den Angaben zufolge, weitere Anwerbungen scheiterten. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs ordnete Untersuchungshaft an. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Spritpreise: Entscheidung bis Anfang Oktober möglich
Über Entlastungen bei den Kraftstoffpreisen beraten nach einem Bericht des Portals „Table.Briefings" Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil mit den Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz; auch die Fraktionschefs der Koalition tauschen sich aus. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wirbt für einen Steuerrabatt und hält Direktzahlungen an Geringverdiener für denkbar, Klingbeil für eine Übergewinnsteuer. Unionsfraktionschef Thorsten Frei hält eine Entscheidung bis Anfang Oktober für möglich. ADAC und Zentralverband des Deutschen Handwerks fordern unterdessen eine niedrigere Stromsteuer; das entlaste Haushalte und schaffe einen Anreiz für Elektroautos.
Russland wählt die Staatsduma
In Russland hat die Parlamentswahl begonnen, gewählt wird an drei Tagen bis Sonntag. In dem flächenmäßig größten Land der Erde mit seinen elf Zeitzonen öffneten die ersten Wahllokale auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka. Ein klarer Sieg der Regierungspartei „Geeintes Russland" gilt als sicher, auch weil Oppositionskräfte nicht zur Wahl zugelassen wurden. Präsident Wladimir Putin nannte die Abstimmung nach Angaben des Deutschlandfunks ein Symbol für die Einheit des Landes.
Kurz gemeldet
- Wuppertal: Nach einem versuchten Brandanschlag auf die Bergische Synagoge hat die Polizei einen 37-jährigen Afghanen festgenommen; der Staatsschutz ermittelt. Der Zentralrat der Juden verwies darauf, dass in drei Tagen Jom Kippur beginnt.
- Medien: Die Länder haben sich auf einen Staatsvertrag für digitale Medien geeinigt; Werberegeln für private Sender werden gelockert, regionalisierte Werbung wird möglich.
- Energieeffizienz: Die Bundesregierung will das Energieeffizienzgesetz weitgehend auf EU-Niveau zurücknehmen (BT-Drs. 21/8027). Managementsysteme werden erst ab 23,6 Gigawattstunden Verbrauch Pflicht, bisher ab 7,5.
- Familien: 49 Prozent der Bevölkerung leben nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Familien; der Anteil Alleinerziehender stieg seit 1996 von 18 auf 24 Prozent.
Termine
- Sonntag, 20. September — Wahlen zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern und zum Berliner Abgeordnetenhaus.
- Mittwoch, 23. September — Vermittlungsausschuss zum Schuldnerberatungsdienstegesetz.
- Sonntag, 27. September — Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Hannover.
- Dienstag, 15. Dezember — Urteil des Bundesgerichtshofs im Maskenstreit.
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