Hexenkessel Bad Dürkheim – so fühlt sich Wechselstimmung an
Am 17.01.2026 machte der rheinland-pfälzische Landtagswahlkampf der Alternative für Deutschland Station in der Salierhalle in Bad Dürkheim. Rund 1.000 Menschen fasst die Halle – und sie war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Karten waren im Vorfeld schnell vergriffen, das Interesse an der AfD ist in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen. Für Der Fingerklopfer war das Anlass genug, sich selbst ein Bild zu machen. Denn Reden lassen sich jederzeit online abrufen – die Stimmung vor Ort nicht.
Bereits ab 10 Uhr öffnete die Salierhalle ihre Türen. Neben dem eigentlichen Saal gab es eine kleine „Messe“, auf der sich der örtliche Kreisverband präsentierte. Auch die Zeitschrift Compact war mit einem größeren Stand vertreten, inklusive Moderator Paul Klemm, der am Vortag in Idar-Oberstein ebenfalls gesehen wurde.
Zwischen Messehalle und Gegendemonstration
Vor der Halle hatte sich die sogenannte linke Zivilgesellschaft versammelt. Vertreter von Linken, Grünen und SPD standen Seite an Seite mit den „Omas gegen rechts“ und kleineren, deutlich radikaleren Antifa-Gruppierungen. Da wir zwischen 12 Uhr und 14.30 Uhr von der Auftaktveranstaltung des Freiheitslaufs 2026 berichten wollten, nutzten wir den Vormittag für Gespräche mit den Gegendemonstranten.
Dabei zeigte sich schnell, dass es hier nicht allein um Ablehnung der AfD ging. In nahezu jedem Gespräch wurde ein weitergehender gesellschaftlicher Umbau eingefordert – deutlich „nach links“. Parolen wie „Eat the rich“ fielen ebenso offen wie das Bekenntnis zu einer Politik offener Grenzen „so lange, bis wir alle gleich sind“. Die geforderte Gleichwertigkeit aller Menschen endet dabei auffällig oft genau dort, wo Menschen diesen Umbau ablehnen. Vor rechtsextremistischer Gewalt wird gewarnt, eine klare Distanzierung von linksextremistischer Gewalt hingegen konsequent verweigert. Die Brüche in Argumentation und Logik waren mit Händen zu greifen.
Verpasster Haupt-Act, spürbare Energie
Ab 15 Uhr sollte nach unseren Informationen der Höhepunkt des Tages folgen: der Auftritt von Alice Weidel, Kanzlerkandidatin und Co-Bundessprecherin der Partei. Als wir um 14.30 Uhr zurückkehrten, war der Haupt-Act allerdings bereits Geschichte. Das Programm war kurzfristig umgestellt worden, Weidel hatte deutlich früher gesprochen – wir sahen nur noch die Rücklichter der Sicherheitskolonne.
Entsprechend war die Halle für das restliche Programm etwas leerer, und die Stimmungseindrücke vermutlich weniger intensiv, als sie während der Rede Weidels gewesen sein dürften. Dennoch gelang es auch den verbliebenen Rednern, das Publikum mitzunehmen. Dennis Hohloch, über den wir bereits im Zusammenhang mit seinem Auftritt bei der AfD Westerwald berichtet hatten, sowie der örtliche Kreisvorsitzende, Thomas Stephan, ernteten immer wieder Applaus und zustimmende Reaktionen. Landesvorsitzender Sebastian Münzenmaier hielt eine weniger emotionale, dafür sachlich pointierte Rede.
Die Inhalte dabei "typisch AfD": scharfe Kritik am Demokratieverständnis der "Altparteien", Forderungen nach einem radikalen Kurswechsel bei Migration und Staatsschulden, Rückbesinnung auf "Vernunft", "Familie" und "Liebe zu Deutschland".
Ein ungewöhnlicher Schlussakkord
Den Abschluss bildete der Auftritt von Serge Menga, einem Deutsch-Kongolesen, der seinen Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft schilderte – einen Weg, der ihm nach eigener Darstellung keineswegs in den Schoß gefallen sei. Seine Ausführungen darüber, was Patriotismus und Liebe zu einem Land bedeuten können, waren bildstark und emotional. Sprachbilder, die – so der unausgesprochene Eindruck – einem „weißen Biodeutschen“ in dieser Form wohl kaum widerspruchslos durchgegangen wären.
Trotz des verpassten Höhepunkts blieb der Eindruck eines politischen Hexenkessels. Die Halle, das Umfeld, die Gegendemonstration und die spürbare Aufladung des Tages vermittelten genau das, was derzeit oft beschworen wird: Wechselstimmung. Wie sich diese bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz tatsächlich niederschlägt, bleibt abzuwarten. Die Energie vor Ort war jedenfalls real.