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Reden, antworten, abtauchen – der Kommunalwahlkampf im Transparenz-Check

20. Februar 2026 // Geschrieben von Manfred
Kommunalwahlkampf 2026 im Landkreis Limburg-Weilburg

Wie Parteien im Landkreis Limburg-Weilburg mit Fragen von Bürgern und Presse umgehen

Der Kommunalwahlkampf 2026 im Landkreis Limburg-Weilburg hat begonnen – zumindest für jene Parteien, die bereit sind, Auskunft zu geben. Der Fingerklopfer hat die hinter den Listen stehenden Parteien im Kreis angeschrieben und drei einfache Fragen gestellt: zu geplanten Wahlkampfaktionen, zu Auftritten von Spitzenpolitikern sowie zu den inhaltlichen Zielsetzungen für den Landkreis.

Das Ergebnis fällt ernüchternd – und zugleich aufschlussreich – aus.

Wer geantwortet hat

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Die CDU Limburg-Weilburg reagierte zeitnah und ausführlich auf die Anfrage der Redaktion. Im anlaufenden Kommunalwahlkampf setzt sie auf einen klassischen, breit angelegten Ansatz. Geplant ist eine Kombination aus Informationsständen, Dialogformaten, thematischen Veranstaltungen sowie persönlichen Begegnungen in allen Städten und Gemeinden des Landkreises. Konkrete Termine sollen fortlaufend auf der Homepage des Kreisverbands veröffentlicht werden.

Auffällig ist die starke Einbindung von Spitzenpolitikern aus Bundes- und Landespolitik. Bereits fest terminiert sind mehrere Veranstaltungen mit prominenten CDU-Vertretern, darunter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, die Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Ines Claus, Hessens Innenminister Roman Poseck sowie die stellvertretende CDU-Generalsekretärin Christina Stumpp. Die CDU setzt damit sichtbar auf politische Prominenz, um ihre Themen im Wahlkampf zu platzieren.

Inhaltlich formuliert die CDU ein umfassendes kommunalpolitisches Programm. Zu den Schwerpunkten zählen die Stärkung von Schutz und Sicherheit – insbesondere des Katastrophenschutzes und der freiwilligen Feuerwehren –, die Sicherung der Gesundheitsversorgung im Landkreis sowie Investitionen in Schulen, digitale Infrastruktur und Verwaltung. Weitere zentrale Punkte sind eine solide und ausgeglichene Haushaltsführung ohne zusätzliche Belastungen für Bürgerinnen und Bürger, der Ausbau von Verkehrsinfrastruktur und Digitalisierung, die Unterstützung von Ehrenamt und Vereinen sowie Umwelt- und Naturschutz.

Der Anspruch der CDU ist es, den Landkreis Limburg-Weilburg weiterhin „verantwortungsvoll, solide und zukunftsorientiert“ zu gestalten. Programmatisch deckt sie damit nahezu alle klassischen kommunalpolitischen Handlungsfelder ab.

Freie Wähler – Limburg (Partei)

Die Freien Wähler Limburg (Partei) antworteten ebenfalls zeitnah auf die Anfrage des Fingerklopfers und betonen in ihrer Stellungnahme einen bewusst bürgernahen und lokal ausgerichteten Kommunalwahlkampf. Geplant sind klassische Informationsstände, Haustürgespräche sowie kleinere Dialogformate und themenbezogene Veranstaltungen. Ergänzend wollen Vertreter der Partei regelmäßig bei öffentlichen Terminen, Vereinsveranstaltungen und Diskussionsrunden präsent sein. Über anstehende Aktionen soll jeweils kurzfristig informiert werden.

Der Schwerpunkt liegt nach eigenen Angaben klar auf dem persönlichen Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Politik solle unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Hintergrund für alle Menschen in Limburg gemacht werden. Große Inszenierungen oder prominente Auftritte aus Bund und Land spielen dabei bewusst keine Rolle. Zwar stehe man im Austausch mit Landes- und Bundesvertretern der Freien Wähler, öffentliche Wahlkampfauftritte mit überregionalen Spitzenpolitikern seien jedoch nicht geplant. Der Fokus liege eindeutig auf kommunaler Sachpolitik vor Ort.

Inhaltlich setzen die Freien Wähler Limburg klare Akzente: Als eine der zentralen Zukunftsfragen benennen sie die Schaffung von bezahlbarem und sozialem Wohnraum. Daneben stehen eine solide und generationengerechte Finanzpolitik, der Ausbau und Erhalt einer leistungsfähigen Infrastruktur sowie mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungen im Mittelpunkt. Die Partei versteht sich als pragmatische Kraft, die ideologiefreie Lösungen mit Augenmaß anstrebt.

Eine von der Redaktion angefragte Interviewvertiefung blieb allerdings unbeantwortet. Hintergrund der Nachfrage waren bereits veröffentlichte Recherchen des Fingerklopfers, unter anderem zur Gewinnung von Unterstützerunterschriften und zu Veranstaltungen im Umfeld einer Moschee. Ob organisatorische Gründe oder eine bewusste Zurückhaltung gegenüber kritischen Nachfragen ausschlaggebend waren, ist nicht bekannt.

Alternative für Deutschland (AfD)

Die AfD im Landkreis Limburg-Weilburg meldete sich ebenfalls mit einer schriftlichen Stellungnahme zurück. Zuvor hatte der Kreisvorsitzende im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung im benachbarten Lahn-Dill-Kreis bereits ein persönliches Interview mit dem Fingerklopfer geführt.

Im Wahlkampf plant die AfD unter anderem einen Bürgerdialog am 13. März 2026 im Kurhaus Bad Camberg. Als Gäste werden die Bundestagsabgeordneten Nikole Höchst und Uwe Schulz angekündigt. Darüber hinaus sollen vier bereits genehmigte Infostände in Limburg stattfinden. In kleineren Gemeinden seien weitere Infostände „kurzentschlossen“ vorgesehen. Ergänzt wird der Wahlkampf durch klassische Maßnahmen wie Plakatierung und Flyer.

Inhaltlich fokussiert sich die AfD nahezu vollständig auf die Haushalts- und Finanzpolitik des Landkreises. Nach eigener Darstellung stehe Limburg-Weilburg vor einer entscheidenden Phase, da erstmals eine Neuverschuldung drohe. Gerade deshalb sieht die AfD die Notwendigkeit eines geordneten und verantwortungsvollen Haushalts als zentrale politische Aufgabe. Sie lehnt neue Belastungen und aus ihrer Sicht unnötige Ausgaben ab und fordert stattdessen klare Prioritäten, eine sparsame Verwaltung sowie eine kritische Prüfung freiwilliger Leistungen.

Besonderes Gewicht legt die AfD auf die Kreisumlage. Diese dürfe nicht steigen, im besten Fall müsse sie sinken, um die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden zu erhalten. Für den Fall, dass sich der Landkreis künftig in die Reihe verschuldeter Kreise einordnen sollte, versteht sich die AfD als kontrollierende Opposition, die Missstände offen benennt und politische Entscheidungen kritisch begleitet.

Wer geschwiegen hat

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Eine Erinnerung wurde versandt, dennoch blieb eine Antwort aus.

Gerade bei SPD, Grünen und Linken ist dies nicht das erste Mal, dass Anfragen des Fingerklopfers unbeantwortet bleiben. Bei der FDP gab es in der Vergangenheit sowohl kooperative als auch ablehnende Phasen – diesmal überwog erneut das Schweigen.

Kommentar: Wahlkampf braucht mehr als Plakate

Der Fingerklopfer bewertet keine Programme nach politischer Couleur. Doch eines lässt sich festhalten: Respekt vor Wählern zeigt sich auch im Umgang mit Fragen. Und Respekt vor Presse äußert sich nicht in Hochglanzflyern, sondern in Gesprächsbereitschaft – auch dann, wenn Fragen unbequem sind.

Wer für Transparenz, Bürgernähe und demokratische Teilhabe wirbt, sollte erklären können, wofür er steht. Schweigen ist ebenfalls eine Antwort. Nur keine besonders überzeugende.

Stand der Rückmeldungen: 20.02.2026. Nachgereichte Stellungnahmen veröffentlichen wir selbstverständlich.