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Wenn Lokalpolitik vor der Haustür beginnt

17. Februar 2026 // geschrieben von Manfred
Jochen und Stefan Ernst in Kirberg

Vor dem Elternhaus von Jochen und Stefan Ernst in Kirberg wird schnell deutlich: Hier sprechen keine Berufspolitiker, sondern zwei Männer, die ihre Gemeinde aus dem Alltag kennen. Die 34-jährigen Zwillingsbrüder sind Forstwirte, betreiben nebenberuflich ein Forst- und Gartenbauunternehmen und engagieren sich ehrenamtlich. Bei der kommenden Kommunalwahl im Landkreis Limburg-Weilburg treten sie erstmals politisch an – auf der Liste der Alternative für Deutschland. Anlass für das Gespräch ist jedoch nicht allein ihre Kandidatur, sondern eine kommunale Entscheidung, die beispielhaft zeigt, wie schnell Politik ganz konkret im Leben der Menschen ankommt.

Vom Wald in die Politik

Politik habe sie schon lange interessiert, erklären die Brüder. Doch erst in den vergangenen Jahren sei aus Beobachtung Handlungswille geworden. Insbesondere die Corona-Zeit habe bei Stefan Ernst ein grundsätzliches Hinterfragen ausgelöst. Was zunächst wie einzelne Fehlentscheidungen wirkte, habe sich für ihn zunehmend als strukturelles Problem dargestellt. Wer wirklich etwas verändern wolle, so seine Überzeugung, müsse selbst Verantwortung übernehmen – und das beginne auf kommunaler Ebene.

Das Parkverbot als Auslöser

Konkret sichtbar wird dieses Engagement an der Sankt-Georg-Straße in Kirberg. Jahrzehntelang war es dort üblich, am Straßenrand zu parken oder kurz zu halten. Mit einem Schreiben der Gemeinde wurde den Anwohnern nun mitgeteilt, dass künftig ein vollständiges Park- und Halteverbot gelten soll – begründet mit der angeblich zu geringen Fahrbahnbreite. Auffällig ist, dass nahezu baugleiche Straßen in unmittelbarer Umgebung von dieser Regelung nicht betroffen sind.

Das Parkverbot wurde für die Brüder nun zum Auslöser, sich noch intensiver mit kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen auseinanderzusetzen. Besonders kritisch sehen sie die Folgen für ältere Anwohner, die Einkäufe oder schwere Gegenstände nicht mehr direkt vor der Haustür ausladen könnten. Aus ihrer Sicht steht die Maßnahme exemplarisch für Entscheidungen, die formal korrekt erscheinen mögen, im Alltag jedoch erhebliche Probleme verursachen.

Ein konstruktiver Gegenvorschlag

Statt sich auf Kritik zu beschränken, haben Jochen und Stefan Ernst ein alternatives Konzept erarbeitet. Ihr Vorschlag: Die Sankt-Georg-Straße als verkehrsberuhigten Bereich auszuweisen. Die baulichen Voraussetzungen seien ideal – ebenerdig, ohne Bordsteine, mit kurzer Straßenlänge. Eine solche Lösung würde die Geschwindigkeit deutlich reduzieren, die Sicherheit für Kinder erhöhen und zugleich ausgewiesene Stellplätze ermöglichen. Ein Ansatz, der nach ihrer Auffassung auch auf andere ähnliche Straßen im Gemeindegebiet von Hünfelden übertragbar wäre.

Kommunalpolitik, Verantwortung und Mut

Ihre offene Kandidatur habe im persönlichen Umfeld überwiegend positive Resonanz ausgelöst, berichten beide. Jochen Ernst tritt dabei bewusst parteilos auf der AfD-Liste an – auch mit Blick auf seine erklärte Absicht, 2028 für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Inhaltlich formuliert er klare Gegensätze zur aktuellen Gemeindepolitik, etwa beim Thema Windkraft im Gemeindewald oder beim stark gestiegenen Schuldenstand.

Als Unternehmer schildern beide zudem den zunehmenden Druck auf kleine Betriebe: steigende Energie- und Versicherungskosten, wachsende Bürokratie und eine sinkende Zahlungsbereitschaft der Kunden. Auch hier sehen sie einen deutlichen Abstand zwischen politischen Entscheidungen und der Realität vor Ort.

Zum Abschluss

Das Parkverbot ist kein Streit, sondern ein Auslöser, an dem sichtbar wird, warum Menschen in die Kommunalpolitik gehen. Es steht beispielhaft für Entscheidungen, die den Alltag der Bürger unmittelbar verändern – oft ohne ausreichende Einbindung oder nachvollziehbare Begründung.

Für Jochen und Stefan Ernst war genau dieser Punkt erreicht, an dem aus Unzufriedenheit Engagement wurde. Nicht, weil sie persönlich betroffen sind, sondern weil sie überzeugt sind, dass Kommunalpolitik dort ansetzen muss, wo ihre Auswirkungen spürbar werden. Ob ihre Konzepte und Positionen die Wähler überzeugen, wird die Kommunalwahl zeigen. Unabhängig davon machen sie eines deutlich: Demokratie lebt davon, dass Bürger bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn der Schritt in die Politik unbequem ist.

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