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Stimmenfang in der Moschee? Stadt Limburg mit interessanten Antworten auf unsere Fragen

12. Januar 2026 // geschrieben von Manfred

Am 9.1.2026 berichteten wir über die "Freien Wähler Limburg" und deren Erfolg im Sammeln von Unterstützerunterschriften. Unsere Recherche führte dabei zu einer Veranstaltung des Ausländerbeirats der Stadt Limburg in der Sandzak Moschee im Limburger Stadtteil Dietkirchen. Dort fand am 19.12.2025 eine Vortragsveranstaltung mit dem Titel "Gaza besser verstehen" statt.  Ob die "Freien Wähler Limburg" diese Veranstaltung tatsächlich zum Sammeln von Unterstützerunterschriften genutzt haben, ist weiter unklar. Anfragen unserer Redaktion an die "Freien Wähler Limburg" blieben bis heute unbeantwortet. 

Der Ausländerbeirat der Stadt Limburg ist ein städtisches Germium. Deshalb hatten wir auch die Stadt Limburg um eine Stellungnahme angefragt. Da zwischen den Jahren Kolleginnen und Kollegen der Stadt Limburg urlaubsbedingt abwesend waren, konnte die Stadt Limburg erst heute unsere Anfrage beantworten. Die Antworten enthalten wichtige Klarstellungen und Hintergrundinformationen. Deshalb veröffentlichen wir hier und heute unsere Fragen und die Antworten der Pressestelle der Stadt Limburg (kursiv gesetzt) in vollem Wortlaut.

1) Wer hat die Räume für die Veranstaltung bereitgestellt und ob und in welcher Weise wurde die Veranstaltung von der Stadt Limburg finanziell oder anderweitig unterstützt?

Die Veranstaltung des Ausländerbeirats fand im Gemeindezentrum/Moscheeanlage der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland statt. Die Veranstaltung wurde durch die Stadt Limburg weder finanziell gefördert noch anderweitig unterstützt.

2) Ist der Stadt Limburg bekannt, dass an diesem Tag aktiv um Unterstützerunterschriften für die Partei der Freien Wähler oder sonstige Gruppierungen / Parteien geworben wurde?

Das ist nicht bekannt. Während der Veranstaltung selbst gab es keinerlei Werbeaktivitäten zu beobachten. In dem Veranstaltungsraum lagen dazu auch keine Unterlagen aus und es gab dazu auch keine Ansprachen oder Kontaktaufnahmen.

3) Sieht die Stadt Limburg ein Problem bei der religiösen und weltanschaulichen Neutralitätspflicht des Gremiums Ausländerbeirat, wenn dieser Veranstaltungen des Ausländerbeirats in Moscheen durchführt?

Die Veranstaltung fand wie bereits oben erwähnt im Gemeindezentrum der IGBD statt. Die Stadt Limburg hat in der Vergangenheit immer wieder Veranstaltungen in kirchlichen Räumen durchgeführt, hier seien nur die Bürgerveranstaltungen im Rahmen der Aufstellung des Parkraummanagementkonzepts oder zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen in der Unterkirche von St. Marien oder Sitzungen politischer Gremien in der Coronaphase im Priesterseminar erwähnt.

Der Veranstaltungsraum war öffentlich für alle zugänglich, der Ausländerbeirat hatte im Vorfeld unter anderem auch die jüdische Gemeinde und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit kontaktiert, um weitere Positionen am Podium vertreten zu sehen. Beide Institutionen haben abgesagt bzw. sich nicht rückgemeldet. Es war vereinbart und entsprach auch der Auffassung des Ausländerbeirats, dass es keine politische Solidaritätsbekundungen und ähnliches geben soll und darf.

4) Am 3.10., dem Tag der Deutschen Einheit, führte der Ausländerbeirat einen Döner-Tag in einer Limburger Moschee durch. Nahmen an diesem Tag Vertreter der Stadt offiziell an dieser Veranstaltung teil? Wie bewertet die Stadt Limburg die Terminierung einer solchen Aktivität ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit?

Der 3. Oktober ist „Tag der Deutschen Einheit“ und seit 1997 zugleich auch „Tag der offenen Moschee“. Der Tag wurde bewusst auf den 3. Oktober gelegt, um das Ziel einer religionsübergreifenden Verständigung zu verdeutlichen, so der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Der Döner-Tag ist damit eingebettet in den „Tag der offenen Moschee“, an dem sich die islamische Masjid Al-Nour-Gemeinde mit einem Döner-Tag in das Gesamtkonstrukt „Tag der offenen Moschee“ einbringt. Es ist also kein Döner-Tag veranstaltet worden, sondern es ist am „Tag der offenen Moschee“ in einer der verschiedenen muslimischen Gemeinschaften aus Anlass dieses besonderen Tages Döner angeboten worden, dafür hat die ausrichtende Gemeinde dann auch mit einem Post auf der Facebook-Seite des Ausländerbeirats geworben, es war also auch keine Veranstaltung des Ausländerbeirats. Wir begrüßen es sehr, wenn muslimische Gemeinden in ihre Gemeindezentren und Moscheen einladen und somit zum Verständnis der verschiedenen Religionen beitragen.

Kommentar

Die Antworten der Stadt Limburg enthalten wichtige Klarstellungen. Es wäre nun umso wichtiger von den "Freien Wähler Limburg" ebenfalls eine Stellungnahme zu erhalten. Bislang widersprechen sich diverse uns vorliegende Hinweise.

Bemerkenswert finden wir die Ausführungen der Stadt Limburg, dass zu der Gaza-Vortragsveranstaltung die Teilnahme der jüdische Gemeinde und der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit angefragt wurde. Man kann sich leicht vorstellen, welche Gefühle eine solche Veranstaltung in der jüdischen Gemeinde geweckt haben dürfte. Die Absage bzw. das Nichtreagieren der angefragten Gruppierungen unterstreicht unserers Erachtens nach unsere Kritik an dem gewählten Veranstaltungsort. Es ist jetzt umso dringlicher die Frage zu klären, warum der Ausländerbeirat für seinen Vortrag ausgerechnet diese und keine neutralen, z.B. städtischen Räume gewählt hat.

Die Information, dass der 3.10. - der Nationalfeiertag der Deutschen - bereits 1997 zum "Tag der offenen Moschee" erkoren wurde, war uns neu. Hierzu werden wir einen eigenen Beitrag nachliefern. Es dürfte wohl nur wenige Länder auf dieser Erde geben, die den eigenen Nationalfeiertag in dieser Weise "teilen".

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