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Journalismus der Doppelmoral - Kirchenprojekt, Journalismus und offene Fragen

14. März 2026 // geschrieben von Manfred

Bei politischen Veranstaltungen gehört er inzwischen fast zum festen Inventar: Joachim Schaefer, Kamera im Anschlag, Mikrofon griffbereit, immer auf der Suche nach dem nächsten Gesprächspartner, der spontan vor laufender Kamera Rede und Antwort stehen darf – ob er will oder nicht. Sein erklärtes Ziel: politische Akteure – insbesondere aus dem Umfeld der Alternative für Deutschland – zu filmen, zu befragen und mit konfrontativen Fragen zu provozieren. Schaefers "Kampf gegen rechts".

Doch der jüngste Vorfall wirft erneut Fragen auf – nicht nur zu seinen Methoden, sondern auch zu einer bemerkenswerten Doppelmoral im Umgang mit Persönlichkeitsrechten.

Der aktuelle Vorfall in Koblenz

Am 13. Februar 2026 fand in Koblenz eine Wahlkampfveranstaltung der AfD statt. Nach Recherchen des Fingerklopfer soll Schaefer dort – obwohl gegen ihn ein Zutrittsverbot im Rahmen des Hausrechts bestanden haben soll – versucht haben, mittels eines in einer Hecke platzierten Mikrofons Tonaufnahmen der Veranstaltung anzufertigen. (Im Video bei ca. 18:20)

Der Vorgang fügt sich in eine Reihe ähnlicher Aktionen ein, bei denen Schaefer politische Veranstaltungen gezielt aufsucht, um dort Material für seine Berichterstattung zu sammeln. Als wir Schaefer bei einer weiteren AfD-Veranstaltung trafen und ihn mit Fragen zu dem Vorfall konfrontieren wollten, wich er jedoch aus. Eine Stellungnahme wollte er nicht abgeben.

Stattdessen äußerte er lediglich einen Wunsch: Er wolle von uns nicht gefilmt werden. Das ist bemerkenswert – gerade vor dem Hintergrund seiner eigenen Arbeitsweise.

Der Kontrast: Filmen ja – aber nur in eine Richtung?

Schaefer tritt regelmäßig mit Kamera auf politischen Veranstaltungen auf. Seine Berichte sind häufig bewusst konfrontativ angelegt. Teilnehmer werden angesprochen, interviewt oder gefilmt – nicht selten in Situationen, in denen sie damit offensichtlich nicht rechnen.

Der Fingerklopfer hat über diese Praxis bereits mehrfach berichtet, etwa in den Artikeln:

Dort wurde dokumentiert, wie Schaefer gezielt Situationen sucht, in denen er Menschen mit Kamera und Mikrofon konfrontiert.

Besonders kritisch sehen Beobachter dabei einen Punkt: Immer wieder geraten junge Teilnehmer oder politisch unerfahrene Personen vor seine Kamera – Menschen, die auf seine Fragen kaum vorbereitet sind.

Das ist umso bemerkenswerter, als „hessencam“ selbst als kirchliches Jugendfilmprojekt auftritt. Die Realität vor Ort wirkt allerdings weniger wie ein Jugendmedienprojekt – und eher wie eine mobile Kameraeinheit im politischen Schlagabtausch.

Wenn die Kamera plötzlich zurückblickt

Wenn Joachim Schaefer mit Kamera unterwegs ist, gilt ein einfaches Prinzip: Die Kamera läuft – und andere Menschen haben gefälligst damit zu leben.

Wenn jedoch jemand anderes die Kamera auf ihn richtet, entdeckt Schaefer plötzlich eine bislang wenig bekannte Leidenschaft: das Recht, nicht gefilmt werden zu wollen.

Natürlich hat jeder das Recht, ein Interview zu verweigern. Niemand ist verpflichtet, Fragen zu beantworten.

Aber die gleiche Bitte haben in den Vergangenheit schon viele Menschen, die mehr oder weniger unfreiwillig vor die "hessencam"-Linse geraten sind, Schaefer gegenüber geäußert. Dass Schaefer solche Bitten gerne auch mal ignoriert, hat er selbst schon zigfach in seinem "Video-Portfolio" dokumentiert.

Der Kontrast bleibt auffällig: Wer andere regelmäßig vor laufender Kamera stellt, wer Menschen spontan interviewt und wer politische Veranstaltungen gezielt dokumentiert, muss damit rechnen, selbst Teil der Berichterstattung zu werden. Gerade für jemanden, der journalistisch arbeitet oder arbeiten will, ist das eigentlich selbstverständlich.

Die institutionelle Dimension

Der Fall wirft jedoch nicht nur Fragen an Joachim Schaefer persönlich auf.

Ein Blick ins Impressum der Website von Katholische Pfarrei Unsere Liebe Frau Wetzlar zeigt: Betreiber der Plattform ist die Pfarrei selbst. „hessencam“ wird ausdrücklich als Medienprojekt der Kirchengemeinde bezeichnet. Leiter des Projekts ist Pastoralreferent Joachim Schaefer.

Damit steht das Projekt zumindest organisatorisch im Umfeld der Kirche und damit letztlich im Verantwortungsbereich des Bistum Limburg.

Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie politisch darf ein kirchliches Medienprojekt auftreten? 

Wenn ein kirchliches Projekt regelmäßig Veranstaltungen einer bestimmten Partei besucht, dort konfrontativ filmt und anschließend Berichte veröffentlicht, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der institutionellen Verantwortung.

Journalismus oder Aktivismus?

Die Debatte um Schaefers Arbeit berührt letztlich ein größeres Thema: die Grenze zwischen Journalismus und politischem Aktivismus.

Journalismus lebt von kritischen Fragen – ohne Zweifel. Doch er lebt auch von bestimmten Grundprinzipien: Fairness gegenüber Gesprächspartnern, gleiche Maßstäbe für alle Beteiligten und Transparenz der eigenen Rolle.

Gerade der letzte Punkt scheint im Fall Schaefer zunehmend unklar zu werden.

Wer andere Menschen öffentlich konfrontiert, sie filmt und ihre Aussagen dokumentiert, sollte bereit sein, selbst denselben Maßstäben standzuhalten.

Schaefer und seine Domgemeinde schweigen dazu ...

Der Fingerklopfer hat sowohl Joachim Schaefer als auch die Domgemeinde Wetzlar um Stellungnahmen zu den Vorgängen gebeten.

Bis Redaktionsschluss lagen keine Antworten seitens Joachim Schaefer oder der Domgemeinde vor. Auch bei unserem Interviewversuch auf der Veranstaltung wich Schaefer den Fragen aus.

Das Bistum Limburg reagiert – doch die entscheidenden Punkte bleiben ungeklärt

Das Bistum Limburg hat auf eine Anfrage zu einem umstrittenen Medienprojekt mit kirchlichem Ursprung reagiert. In einer schriftlichen Stellungnahme stellt das Bistum klar, dass das Projekt zwar ursprünglich aus einem medienpädagogischen Jugendprojekt im Umfeld der Pfarrei Unsere Liebe Frau Wetzlar hervorgegangen sei, inzwischen jedoch eigenständig betrieben werde.

Wörtlich heißt es aus Limburg:

„Das von Ihnen angesprochene Video-Projekt ist im Umfeld der Pfarrei Unsere Liebe Frau Wetzlar aus einem medienpädagogischen Jugendprojekt hervorgegangen. Ziel der ursprünglichen Initiative war es, junge Menschen zu ermutigen, sich mit Kamera und journalistischen Mitteln mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Das Projekt hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und wird heute eigenständig betrieben. Für Inhalte, Veröffentlichungen und die konkrete Ausgestaltung von Recherchen sind die jeweils verantwortlichen Betreiber bzw. Herausgeber zuständig, wie sie auch im Impressum benannt sind. Eine redaktionelle Verantwortung des Bistums Limburg für einzelne Beiträge oder Recherchemethoden besteht nicht.“

Zugleich betont das Bistum, dass es grundsätzlich Initiativen der politischen Bildung unterstütze, publizistische Aktivitäten jedoch eigenverantwortlich erfolgen müssten und sich an geltende rechtliche Rahmenbedingungen zu halten hätten.

Weiter heißt es:

„Für das Bistum Limburg ist wichtig, dass gesellschaftliche und politische Debatten offen, respektvoll und im Rahmen der rechtsstaatlichen Ordnung geführt werden.“

Zu möglichen personalrechtlichen Fragen äußert sich das Bistum grundsätzlich nicht öffentlich.

Ursprung im kirchlichen Umfeld

Damit bestätigt das Bistum erstmals offiziell, dass das Projekt tatsächlich aus einem kirchlichen Jugend- und Medienprojekt hervorgegangen ist. Ziel sei es ursprünglich gewesen, junge Menschen an journalistische Arbeitsweisen heranzuführen und gesellschaftliche Themen medial zu bearbeiten.

Nach Darstellung des Bistums habe sich das Projekt jedoch später organisatorisch verselbständigt. Die Verantwortung für Inhalte liege heute ausschließlich bei den jeweiligen Betreibern und Herausgebern.

Damit versucht das Bistum, eine klare institutionelle Trennung zwischen Kirche und publizistischer Tätigkeit zu ziehen.

Doch genau hier beginnen die offenen Fragen.

Offene Fragen zur tatsächlichen Distanz

Trotz der Erklärung bleiben mehrere Punkte ungeklärt.

So ist bislang unklar, ob und in welchem Umfang weiterhin Verbindungen zwischen dem Projekt und kirchlichen Strukturen bestehen. Dazu zählen etwa mögliche organisatorische, infrastrukturelle oder personelle Überschneidungen.

Offen bleibt beispielsweise:

  • Werden kirchliche Ressourcen wie Räume, Technik oder Infrastruktur genutzt?
  • Sind kirchliche Mitarbeiter – etwa Pastoralreferenten – weiterhin in irgendeiner Form an dem Projekt beteiligt?
  • Wie bewertet das Bistum mögliche Rollenüberschneidungen zwischen kirchlichem Amt und journalistischer Tätigkeit?

Gerade letzterer Punkt berührt ein grundsätzliches Thema: das öffentliche Rollenverständnis kirchlicher Mitarbeiter.

Journalistische Methoden und kirchliche Werte

Ein weiterer Aspekt betrifft die Frage der journalistischen Arbeitsweise.

Das Bistum betont in seiner Stellungnahme die Bedeutung eines offenen und respektvollen gesellschaftlichen Diskurses. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche journalistischen Methoden mit diesem Anspruch vereinbar sind, insbesondere wenn Projekte aus kirchlicher Bildungsarbeit hervorgegangen sind.

Dabei geht es etwa um Methoden, bei denen Gespräche Dritter dokumentiert oder aufgezeichnet werden, ohne dass diese davon wissen.

Hier stellt sich eine grundsätzliche medienethische Frage:

Welche Maßstäbe gelten für Projekte, die ursprünglich aus kirchlicher Bildungsarbeit hervorgegangen sind – und welche Erwartungen hat das Bistum an Personen, die gleichzeitig im kirchlichen Dienst stehen?

Institutionelle Verantwortung oder vollständige Eigenständigkeit?

Die Stellungnahme des Bistums verfolgt erkennbar das Ziel, eine klare Trennung zwischen kirchlicher Institution und publizistischer Tätigkeit zu betonen.

Gleichzeitig bleibt die konkrete Ausgestaltung dieser Trennung unklar.

Denn wenn ein Projekt im kirchlichen Kontext entstanden ist, möglicherweise von kirchlichen Mitarbeitern mitgeprägt wurde und weiterhin kirchliche Bezüge in seiner Entstehungsgeschichte trägt, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie weit die institutionelle Verantwortung tatsächlich reicht.

Eine Debatte über Verantwortung

Das Bistum Limburg verweist auf die Bedeutung eines offenen gesellschaftlichen Diskurses. Genau dieser Diskurs dürfte nun erst beginnen.

Denn die Verbindung von kirchlicher Bildungsarbeit, politischer Medienarbeit und journalistischen Recherchemethoden wirft Fragen auf, die über den konkreten Einzelfall hinausreichen: Welche Verantwortung tragen Institutionen für Projekte, die aus ihrem Umfeld hervorgehen – auch dann noch, wenn diese sich später organisatorisch verselbständigen? Und welche Maßstäbe gelten für Personen, die sich gleichzeitig in kirchlichen und journalistischen Rollen bewegen?

Die Antworten darauf stehen bislang noch aus.

Fazit

Der aktuelle Vorfall fügt sich in ein Muster ein, das in den vergangenen Jahren bereits mehrfach sichtbar wurde.

Joachim Schaefer tritt mit Kamera und Mikrofon auf politischen Veranstaltungen auf, konfrontiert Teilnehmer mit Fragen – und versteht seine Arbeit offenbar als Beitrag im „Kampf gegen rechts“. Doch sobald die Kamera in seine Richtung zeigt, gilt in der Welt von Joachim Schaefer scheinbar eine interessante Regel: Die Kamera ist ein hervorragendes Instrument der Aufklärung – solange sie auf andere gerichtet ist.

Gerade deshalb stellt sich eine einfache Frage: Kann Journalismus glaubwürdig sein, wenn er für andere Regeln aufstellt, die er für sich selbst nicht gelten lassen will?

Vielleicht wäre das alles weniger bemerkenswert, wenn Joachim Schaefer seine Arbeit einfach als das bezeichnen würde, was sie offensichtlich ist: politischer Aktivismus mit Kamera.

Problematisch wird es erst, wenn Aktivismus als Journalismus verkauft wird – und gleichzeitig erwartet wird, dass für den eigenen Auftritt plötzlich andere Regeln gelten. Und auch dann, wenn hinter diesen Methoden eine kirchliche Institution steht, welche die "Menschenwürde" und die "Nächstenliebe" beschwört, aber anscheinend Interesse an dieser Spielart des politischen Aktivismus hat.

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