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Wenn Journalismus zur Provokation wird: Der Fall Joachim Schaefer in Gießen

22. Januar 2026 // geschrieben von Manfred
Joachim Schaefer und seine "Waffe" auf einer Demo in Herborn

Ein Vorfall bei einer AfD-Veranstaltung im Raum Gießen wirft grundlegende Fragen zur Rolle von Journalisten auf. Der Auftritt von Joachim Schaefer zeigt exemplarisch, wie schnell Berichterstattung in politischen Aktivismus kippen kann – und wie Institutionen auf kritische Nachfragen reagieren.

Hausverbot ignoriert, Eskalation dokumentiert

Der Vorfall am Rande einer AfD-Veranstaltung im Raum Gießen wirft erneut die Frage auf, wo legitime Pressearbeit endet und politischer Aktivismus beginnt. Im Mittelpunkt steht der Journalist Joachim Schaefer ("hessencam"), der nach eigener Darstellung über die Veranstaltung berichten wollte, dabei jedoch ein ausdrücklich ausgesprochenes Hausverbot missachtete – trotz mehrfacher Hinweise durch Veranstalter und Polizei. Das Verhalten von Schaefer ist nicht neu. Über ihn und seine fragwürdige Arbeitsweise haben wir an anderer Stelle schon berichtet.

Das von Schaefer selbst veröffentlichte Videomaterial dokumentiert eindrücklich, wie er wiederholt die Rechtmäßigkeit des Hausverbots infrage stellt, polizeiliche Anweisungen ignoriert und die Situation gezielt als angeblichen Angriff auf Presse- und Meinungsfreiheit inszeniert.

Provokation statt Berichterstattung

In den aufgezeichneten Szenen kommt es zu provokativen Wortmeldungen, pauschalen Nazi- und Extremismusvorwürfen sowie persönlichen Diffamierungen gegenüber Veranstaltungsteilnehmern, Ordnern und einzelnen Personen. Spätestens an diesem Punkt verlässt das Auftreten den Bereich klassischer journalistischer Beobachtung und bewegt sich deutlich in Richtung politischer Aktion.

Pressefreiheit schützt Recherche, Einordnung und Veröffentlichung von Informationen. Sie verleiht jedoch kein Sonderrecht, geltendes Hausrecht zu missachten oder polizeiliche Anordnungen zu ignorieren. Wer bewusst Regelverstöße provoziert, um daraus medienwirksame Konfliktszenen zu erzeugen, handelt nicht journalistisch, sondern aktivistisch.

Brisante Doppelrolle: Journalist und Pastoralreferent

Besonders brisant ist der Fall vor dem Hintergrund, dass Joachim Schaefer nach vorliegenden Informationen hauptberuflich als Pastoralreferent tätig ist. Diese Funktion ist traditionell mit Anforderungen wie Deeskalation, Ausgleich, Verantwortungsbewusstsein und einer besonderen Vorbildfunktion verbunden.

Vor diesem Hintergrund haben wir den zuständigen Dienstherrn von Schaefer mit einer formellen Presseanfrage konfrontiert. Darin baten wir um eine Stellungnahme zu dem dokumentierten Verhalten, zu möglichen dienstrechtlichen Bewertungen sowie zur grundsätzlichen Frage, inwieweit ein öffentlich konfrontatives, politisch-aktivistisches Auftreten mit der hauptberuflichen Tätigkeit eines kirchlichen Mitarbeiters vereinbar ist.

Keine Antwort auf Presseanfrage

Konkret fragten wir unter anderem, ob das Verhalten bekannt sei, ob es dienstrechtlich geprüft wurde oder wird und welche Maßstäbe für öffentliches politisches Engagement von Mitarbeitern gelten. Für die Beantwortung setzten wir eine Frist bis zum folgenden Abend um 17 Uhr.

Bis zum Ablauf dieser Frist ging keine Antwort ein.

Schweigen mit Signalwirkung

Dieses Schweigen wirft eigene Fragen auf. Denn unabhängig davon, wie man die Alternative für Deutschland politisch bewertet, bleibt ein grundsätzlicher Maßstab bestehen: Wer beruflich für Dialog, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vermittlung steht, kann sich nicht gleichzeitig öffentlich in eskalierende Konfrontationen begeben, ohne dass dies zumindest erklärungsbedürftig wäre.

Der Vorfall in Gießen steht damit exemplarisch für ein tieferliegendes Problem im politischen und medialen Raum. Teile der Medienlandschaft vermischen Journalismus und Aktivismus zunehmend bewusst. Provokation ersetzt Recherche, moralische Überhöhung ersetzt Distanz, und die eigene politische Haltung wird performativ inszeniert.

Journalistische Verantwortung statt Aktivismus

Dass selbst sachlich formulierte Presseanfragen an institutionelle Verantwortliche unbeantwortet bleiben, verstärkt den Eindruck mangelnder Bereitschaft zur kritischen Aufarbeitung. Am Ende bleibt weniger die Frage nach angeblich eingeschränkter Pressefreiheit, sondern vielmehr jene nach journalistischer Verantwortung – und nach der Fähigkeit von Institutionen, sich mit dem öffentlichen Auftreten ihrer Mitarbeiter kritisch auseinanderzusetzen, wenn dieses die Grenze vom Journalismus zum politischen Aktivismus überschreitet.