US-Finanzminister Bessent in Davos: „Sicherheit, Wachstum und Machtpolitik gehören zusammen“

Davos – Beim diesjährigen World Economic Forum hat US-Finanzminister Scott Bessent die wirtschafts- und sicherheitspolitische Linie der Regierung Trump mit ungewöhnlicher Deutlichkeit verteidigt. In einem vielbeachteten Interview skizzierte er die strategischen Prioritäten der USA – von Grönland über Zölle bis hin zu Wachstum, Schuldenabbau und geopolitischem Druck auf China, Russland und Iran.
Grönland, Sicherheit und Zölle: Abschreckung statt Eskalation
Im Zentrum der Debatte stand die Frage nach den von Präsident Donald Trump angestoßenen Überlegungen zu Grönland. Bessent machte klar, dass es dabei nicht um territoriale Expansion aus wirtschaftlichem Eigeninteresse gehe, sondern um nationale und westliche Sicherheit. Grönland sei aus Sicht der USA ein zentraler Baustein der Raketenabwehr und werde durch neue arktische Handelsrouten zunehmend strategisch relevant. Ohne eine klare US-Kontrolle bestehe das Risiko, dass Washington im Ernstfall in einen militärischen Konflikt hineingezogen werde.
Die angedrohten Zölle gegenüber europäischen Partnern – insbesondere Dänemark – seien dabei als politisches Druckmittel zu verstehen. Bessent riet der EU ausdrücklich von Gegenmaßnahmen ab und verwies darauf, dass die strategische Bedeutung Grönlands US-Präsidenten seit über 150 Jahren beschäftige. Ziel sei Abschreckung und Konfliktvermeidung, nicht Eskalation.
Märkte, Japan und das Tariff-Narrativ
Die Nervosität an den Anleihemärkten, sichtbar an steigenden Renditen in den USA, Europa und Japan, führte Bessent nicht auf die Grönland-Debatte zurück. Vielmehr verwies er auf extreme Bewegungen am japanischen Bondmarkt, die als exogener Schock weltweit durchschlugen. Die Reaktionen auf frühere Zollankündigungen hätten zudem gezeigt, dass sich die Befürchtungen eines Kapitalabzugs aus den USA nicht bewahrheitet hätten – im Gegenteil: Die Nachfrage ausländischer Investoren nach US-Staatsanleihen sei so hoch wie nie.
Zugleich verteidigte Bessent den Einsatz von Zöllen als fiskalisches Instrument. Die Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich flössen in den allgemeinen Staatshaushalt und hätten bereits zu einer spürbaren Defizitreduktion beigetragen. Der Haushaltsfehlbetrag sei von 6,9 % des BIP auf 5,4 % gesunken – mit dem Ziel, ihn bis zum Ende von Trumps Amtszeit auf 3 % zu drücken.
Wachstum, Deregulierung und „Main Street America“
Makroökonomisch zeichnete der Finanzminister ein ausgesprochen optimistisches Bild. Das jüngste Wachstum von über 4 % sei nahezu vollständig privatwirtschaftlich getragen und Ausdruck einer Kombination aus Steuersenkungen, Deregulierung und Investitionsanreizen. Besonders hob Bessent den aktuellen Investitionsboom hervor: zweistellige Zuwachsraten bei den Unternehmensinvestitionen seien historisch fast immer mit steigender Beschäftigung einhergegangen.
Parallel setze die Regierung auf eine Entlastung der privaten Haushalte. Steuererleichterungen auf Trinkgelder, Überstunden und Sozialversicherungsleistungen sowie geplante Zinsdeckel für Kreditkarten sollen die reale Kaufkraft stärken. Für viele Arbeitnehmer rechnet Bessent mit Steuererstattungen von bis zu 1.000 US-Dollar. Ziel sei ein neues Gleichgewicht zwischen industrieller Stärke und der wirtschaftlichen Situation der Mittelschicht.
China, Sanktionen und die Rückkehr der Industriepolitik
Deutlich wurde Bessent auch im geopolitischen Teil. Gegenüber China verteidigte er den Einsatz von Zöllen und Exportkontrollen als effektives Verhandlungsmittel – etwa bei seltenen Erden oder Agrarimporten. Gleichzeitig kündigte er an, die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten innerhalb von 18 bis 24 Monaten deutlich zu reduzieren, insbesondere bei Halbleitern und kritischen Rohstoffen.
Sanktionen gegen Iran bezeichnete er als erfolgreiches Beispiel „wirtschaftlicher Staatskunst ohne Schüsse“. Die iranische Wirtschaft stehe massiv unter Druck. Auch Russland geriet ins Visier: Länder, die weiterhin russisches Öl kauften, müssten mit harten Konsequenzen rechnen. Wachstum statt Austerität sei dabei die übergeordnete Strategie, um die weltweit aufgeblähten Staatsschulden tragfähig zu machen.
Zum Abschluss richtete Bessent eine klare Botschaft an Europa: Zu viel Regulierung bremse Innovation und Wachstum. Während die USA als Innovations- und Wachstumsmotor fungierten, verliere Europa an Dynamik. Die Einladung der Trump-Administration sei eindeutig: investieren, deregulieren – und am US-Wachstum teilhaben.