Führung in der Krise? Zweifel am Krisenmanagement von Kai Wegner

Berlin steht nach einem Terroranschlag auf kritische Infrastruktur unter Schock. In einer solchen Lage erwarten Bürgerinnen und Bürger vor allem eines: sichtbare Führung, klare Kommunikation und das Gefühl, dass die politische Spitze die Lage ernst nimmt und präsent ist. Doch genau daran entzündet sich nun scharfe Kritik am Umgang des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner mit der Krise.
Während Sicherheitsbehörden im Ausnahmezustand arbeiten, Einsatzkräfte Gefahrenlagen prüfen und die Bevölkerung verunsichert ist, sorgt eine Meldung für massive Irritationen: Wegner soll sich am Tag des Anschlags (03.01.2026) zu einer privaten Tennisstunde zurückgezogen haben – gemeinsam mit seiner Partnerin, der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Auch wenn formell keine Pflicht zur dauerhaften öffentlichen Präsenz besteht, stellt sich die Frage nach politischem Instinkt und Verantwortungsgefühl.
Symbolik zählt – besonders in Ausnahmesituationen
Krisenmanagement ist nicht nur eine Frage von Aktenvermerken und internen Lagebesprechungen, sondern auch von Symbolik. Ein Regierender Bürgermeister ist in solchen Momenten nicht bloß Verwaltungschef, sondern moralischer Anker der Stadt. Die Bilder, die er vermittelt, prägen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.
Eine private Freizeitaktivität – noch dazu sportlich-entspannt – sendet in dieser Situation ein fatales Signal: Normalbetrieb, während andere um Sicherheit und Aufklärung ringen. Selbst wenn die Tennisstunde außerhalb offizieller Termine lag, bleibt der Eindruck von Abgehobenheit und mangelnder Prioritätensetzung.
Doppelrolle verschärft die Kritik
Besonders brisant: Wegners Tennisspiel fand offenbar gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin statt, die als Senatorin ebenfalls politische Verantwortung trägt. Damit wird aus einer privaten Entscheidung eine politische Aussage. Zwei Spitzenvertreter des Berliner Senats, die sich zeitgleich aus der öffentlichen Wahrnehmung zurückziehen, während die Stadt eine sicherheitspolitische Krise erlebt – das wirkt mindestens unsensibel.
Kommentar: Führung heißt Präsenz – nicht Unsichtbarkeit
Andere politische Führungspersönlichkeiten haben in vergleichbaren Lagen gezeigt, was erwartet wird: Presseauftritte, klare Worte, sichtbare Abstimmung mit Sicherheitsbehörden, persönliche Anteilnahme. Selbst kurze öffentliche Statements oder das bewusste Verschieben privater Termine können Vertrauen schaffen.
Kai Wegner hingegen wirkt in dieser Phase erstaunlich blass. Die Kommunikation blieb defensiv, der persönliche Einsatz kaum sichtbar. In einer Stadt wie Berlin, die immer wieder Ziel extremistischer Bedrohungen ist, genügt Verwaltungshandeln allein nicht.
Verpasste Chance auf Führung
Der Regierende Bürgermeister mag formal korrekt gehandelt haben – politisch klug war es nicht. Eine Krise ist immer auch eine Bewährungsprobe für Führungspersönlichkeiten. Wer in solchen Momenten den Eindruck erweckt, private Interessen höher zu gewichten als öffentliche Verantwortung, verspielt Vertrauen.
Berlin braucht in unsicheren Zeiten keinen Tennisschläger auf dem Court, sondern einen Regierungschef, der sichtbar Verantwortung übernimmt, Haltung zeigt und der Stadt das Gefühl gibt: Die politische Führung ist da. Jetzt. Und voll bei der Sache.
Kai Wegner und seine Partnerin sind in der Politik, um es in der Tennissprache zu sagen, ein "Doppelfehler".