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Volle Halle in Westerburg: AfD-Veranstaltung zieht rund 200 Besucher an

13. März 2026 // geschrieben von Manfred

Wahlkampfabend in Westerburg - Schon vor der Halle zeigt sich: In Westerburg ist Wahlkampf. Rund 90 Gegendemonstranten haben sich versammelt. Anders als bei manchen politischen Veranstaltungen bleibt es diesmal vergleichsweise ruhig. Gitarrenklänge, Trommeln und vereinzelte Sprechchöre sind zu hören – eher musikalischer Protest als lautstarke Konfrontation.

Drinnen hingegen herrscht eine ganz andere Atmosphäre.

Etwa 200 Besucher haben sich in der Halle eingefunden. Viele stehen noch zusammen, bevor die Veranstaltung beginnt, begrüßen Bekannte, diskutieren über Politik oder verfolgen die Rednerliste. Als die ersten Worte ins Mikrofon gesprochen werden, füllen sich die Reihen endgültig. Der Applaus ist kräftig – die Stimmung erwartungsvoll.

Auf der Bühne stehen an diesem Abend mehrere prominente Vertreter der AfD: der Westerwälder Kreisvorsitzende Bailey Wollenweber, der Bundestagsabgeordnete Bernd Schattner, die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst sowie der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Stephan Brandner.

Bailey Wollenweber: Heimspiel im Westerwald

Den Auftakt macht der Kreisvorsitzende Bailey Wollenweber. Für ihn ist es ein Heimspiel – entsprechend persönlich fällt seine Rede aus.

Er begrüßt das Publikum mit sichtbarer Freude über die gut gefüllte Halle und richtet den Blick schnell auf die bevorstehende Wahl in Rheinland-Pfalz. Diese Wahl, so Wollenweber, sei mehr als eine gewöhnliche Landtagswahl – sie sei eine Richtungsentscheidung.

In seiner Rede zeichnet er ein kritisches Bild der politischen Lage. Hohe Energiekosten, steigende Abgaben und zunehmende Bürokratie belasteten viele Betriebe und Familien, besonders im ländlichen Raum. Immer wieder verweist er auf Beispiele aus der Region: Handwerksbetriebe, die mit steigenden Kosten kämpfen, mittelständische Unternehmen, die unter Bürokratie leiden.

Zwischen den politischen Passagen richtet er sich immer wieder direkt an das Publikum. Ehrenamtliche, Vereine und Familien seien das Fundament der Gesellschaft, sagt er. Ohne diese Strukturen funktioniere ein Land nicht.

Zum Ende seiner Rede ruft er die Zuhörer dazu auf, sich aktiv einzubringen – im Wahlkampf, aber auch politisch insgesamt.

Bernd Schattner: Kritik an politischer Doppelmoral

Als nächster Redner betritt der Bundestagsabgeordnete Bernd Schattner die Bühne.

Er beginnt mit einem Blick auf den politischen Alltag in Berlin und Mainz und stellt die Frage, welche Themen derzeit im Mittelpunkt der politischen Debatte stehen. Seiner Ansicht nach würden viele Probleme der Bürger nicht ausreichend berücksichtigt.

Schattner kritisiert insbesondere eine politische Doppelmoral im Umgang mit Extremismus. Während bestimmte Formen des Extremismus stark thematisiert würden, würden andere Phänomene seiner Meinung nach verharmlost.

Dabei greift er konkrete Beispiele aus der Region auf und spricht über staatliche Förderprogramme für Initiativen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Seine zentrale Frage: Wie politisch neutral könne ein Staat sein, wenn er gleichzeitig Organisationen finanziere, die selbst politisch aktiv seien?

Immer wieder greift Schattner dabei auf humorvolle Seitenhiebe zurück, etwa wenn er über politische Debatten spricht, die seiner Meinung nach an den Alltagssorgen vieler Menschen vorbeigingen.

Seine Rede endet mit einem Appell an die Zuhörer, sich politisch zu engagieren und von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Nicole Höchst: Ironie, Applaus und klare Botschaften

Mit Nicole Höchst betritt anschließend eine der bekanntesten AfD-Abgeordneten aus Rheinland-Pfalz die Bühne – und schnell wird klar: Ihre Rede wird deutlich emotionaler.

Schon der Einstieg sorgt für Lachen im Publikum. Höchst spielt mit ironischem Ton auf Vorwürfe politischer Gegner an und erklärt augenzwinkernd, sie habe offenbar mehrere Eigenschaften, die manchen Kritikern missfielen: Sie sei Frau, Mutter und konservativ.

Der Saal reagiert mit Gelächter und Applaus.

Höchst versteht es, politische Kritik mit pointierten Beispielen zu verbinden. Wenn Politiker ständig von „unserer Demokratie“ sprächen, sagt sie, müsse man sich fragen, wem diese Demokratie eigentlich gehöre. Ihrer Ansicht nach gehöre sie nicht Parteien oder Regierungen, sondern den Bürgern selbst.

Ein zentrales Thema ihrer Rede ist die direkte Demokratie. Höchst fordert mehr Volksentscheide und stärkere Bürgerbeteiligung. Immer wieder zieht sie Vergleiche zu anderen Ländern, in denen Bürger stärker an politischen Entscheidungen beteiligt seien.

Besonders laut wird der Applaus, als sie ihre Kritik mit zugespitzten Beispielen verbindet. Politik müsse wieder näher an den Alltag der Menschen rücken, erklärt sie – an Themen wie Infrastruktur, Krankenhäuser oder Schulen.

Die Mischung aus politischer Kritik, Ironie und persönlichen Anekdoten macht ihre Rede zu einem der emotionalen Höhepunkte des Abends.

Stephan Brandner: Humorvolle Spitzen und bundespolitische Themen

Als letzter Redner tritt Stephan Brandner ans Mikrofon.

Der Bundestagsabgeordnete aus Thüringen wird mit besonders lautem Applaus begrüßt. Brandner gilt als einer der rhetorisch schlagfertigsten Redner der Partei – und er enttäuscht das Publikum nicht.

Schon zu Beginn nimmt er die Gegendemonstranten vor der Halle humorvoll auf. Die AfD bewege nicht nur Menschen im Saal, sagt er mit einem Augenzwinkern, sondern auch jene draußen vor der Tür – schließlich bringe die Partei sie immerhin dazu, an die frische Luft zu gehen.

Gelächter im Publikum.

Auch im weiteren Verlauf streut Brandner immer wieder ironische Bemerkungen ein. Wahlkampfveranstaltungen im Bundestag seien deutlich weniger angenehm, erklärt er – dort sitze man meist politischen Gegnern gegenüber, während man hier in Westerburg in ein freundliches Publikum blicken könne.

Inhaltlich konzentriert sich Brandner vor allem auf bundespolitische Themen. Er spricht über Energiepolitik, Wirtschaft und Migration und kritisiert Entscheidungen der Bundesregierung.

Besonders ausführlich widmet er sich der Energiepolitik. Deutschland brauche aus seiner Sicht einen breiteren Energiemix, erklärt er, und kritisiert den Ausstieg aus der Kernenergie.

Auch die direkte Demokratie spielt in seiner Rede eine Rolle. Brandner verweist auf Volksabstimmungen in der Schweiz und stellt sie als Beispiel für eine stärkere Bürgerbeteiligung dar.

Zum Ende blickt er auf die bevorstehende Wahl. Rheinland-Pfalz könne ein starkes Ergebnis liefern, sagt er – vorausgesetzt, die Unterstützer nutzten die verbleibenden Tage bis zur Wahl für intensiven Wahlkampf.

Zwei Welten an einem Abend

Als die Veranstaltung endet, zeigt sich noch einmal das Bild des Abends: Drinnen die gut gefüllte Halle mit rund 200 Besuchern und einer spürbar positiven Stimmung unter den Anhängern.

Draußen weiterhin der kleine Gegenprotest – ruhig, musikalisch, ohne größere Zwischenfälle.

Der Wahlkampf im Westerwald läuft auf Hochtouren.

Ob sich die Stimmung aus der Halle auch am Wahltag widerspiegelt, wird sich erst noch zeigen.