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#  Wenn Aktivisten über Werbegeld entscheiden wollen: Campact, YouTube und die Macht der Kunden

31. August 2026 // geschrieben von Manfred

 ![](https://www.fingerklopfer.de/images/teaser/2026-08-30_campact_kampagne.jpg)

Eine [Kampagne von Campact](https://www.campact.de/blog/2026/08/hass-hetze-afd-youtube-kanal-influencer-werbung-unternehmen/) soll Unternehmen dazu bewegen, ihre Werbung von mehr als 60 YouTube-Kanälen und Medien fernzuhalten, die die Organisation als „Hetzkanäle“, „AfD-nah“ oder anderweitig problematisch einstuft. Rund 90 Unternehmen wurden angesprochen, knapp 30 sollen reagiert haben. Doch Nachfragen zeigen: Zwischen Campacts Erfolgsmeldung und dem, was Unternehmen tatsächlich erklären, liegen teilweise erhebliche Unterschiede. Der Vorgang wirft deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Wenn politische Aktivisten Unternehmen über wirtschaftlichen Druck zur Distanzierung von Medien bewegen wollen – dürfen dann nicht ebenso Kunden ihre wirtschaftliche Macht nutzen und von den Unternehmen Rechenschaft verlangen?

Es ist ein Mechanismus, der in der digitalen Medienwelt erhebliche Wirkung entfalten kann. Nicht der Staat verbietet ein Medium. Nicht YouTube löscht einen Kanal. Stattdessen wird versucht, die wirtschaftliche Grundlage bestimmter publizistischer Angebote zu schwächen, indem Werbekunden aufgefordert werden, ihre Anzeigen dort nicht mehr erscheinen zu lassen.

Genau diesen Weg verfolgt derzeit die Kampagnenorganisation Campact.

Nach eigenen Angaben untersuchte Campact rund 60 YouTube-Kanäle, die die Organisation als besonders problematisch einstuft. Rund 15.000 Unterstützer beteiligten sich an einer sogenannten Schwarmrecherche und meldeten knapp 40.000 Werbeanzeigen, die auf diesen Kanälen ausgespielt worden seien. Anschließend kontaktierte Campact rund 90 Unternehmen und machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Werbung dort erschienen war.

Campact verkündete anschließend einen Erfolg: 20 Unternehmen hätten angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen, weitere neun wollten dies prüfen. Genannt wurden unter anderem Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, dm, Edeka, AXA, ImmoScout, FlixTrain und Procter &amp; Gamble. Rewe, Samsung, LG Electronics, Krombacher und die Sparkassen gehörten laut Campact zur Gruppe der Unternehmen, die eine Prüfung angekündigt hätten.

Doch damit beginnt erst der eigentlich interessante Teil der Geschichte.

## Nicht jede Werbung ist eine bewusste Unterstützung

Die Sprache solcher Kampagnen erzeugt schnell den Eindruck, Unternehmen würden bestimmte politische YouTuber oder Medien gezielt finanzieren. Technisch trifft das in vielen Fällen jedoch nicht zu.

Campact selbst erklärt, dass YouTube-Werbung weitgehend automatisiert über Google Ads ausgespielt wird. Ein Unternehmen bestimmt Zielgruppen und weitere Parameter; ein Algorithmus entscheidet anschließend, bei welchen Videos die Werbung konkret erscheint. Unternehmen können zwar Kanäle und Kategorien ausschließen, sie wählen aber keineswegs zwangsläufig jedes einzelne Umfeld aktiv aus.

Damit besteht ein wichtiger Unterschied:

 | **Darstellung** | **Tatsächlicher Mechanismus** |
|---|---|
| „Unternehmen X finanziert Kanal Y“ | Werbung kann automatisiert auf Kanal Y ausgespielt worden sein |
| Unternehmen entscheidet sich bewusst für ein Medium | Häufig entscheidet zunächst der Werbealgorithmus |
| Werbung bedeutet politische Unterstützung | Werbung kann ohne Kenntnis des konkreten Videos erscheinen |
| Campact weist auf eine bewusste Geschäftsbeziehung hin | Campact weist in vielen Fällen auf eine algorithmische Werbeplatzierung hin |
| Unternehmen kann nichts tun | Unternehmen kann Kanäle oder Kategorien in Sperrlisten aufnehmen |

Das schmälert nicht das Recht eines Unternehmens, unerwünschte Werbeumfelder auszuschließen. Es verändert aber die politische Bewertung. Eine automatisch ausgespielte Edeka-, dm- oder Versicherungswerbung vor einem YouTube-Video ist zunächst kein Beleg dafür, dass das Unternehmen die politischen Ansichten des jeweiligen Kanalbetreibers teilt oder diesen bewusst fördern möchte.

Umgekehrt bedeutet die Aufnahme eines Kanals in eine Werbesperrliste ebenfalls nicht automatisch, dass dessen Inhalte rechtswidrig oder extremistisch wären. Auch dies ist zunächst eine unternehmerische Entscheidung über das eigene Werbebudget.

Problematisch wird die Angelegenheit dort, wo zwischen diesen beiden Ebenen politische Etiketten geschoben werden.

## Vom „Hetzkanal“ bis zum journalistischen Medium

Campact nennt für seine Auswahl mehrere Kriterien. Erfasst worden seien Kanäle, die unter anderem „systematisch gegen Minderheiten hetzen“, der AfD nahestehen oder „durchweg Falschinformationen verbreiten“. Gegenüber der Berliner Zeitung präzisierte Campact, berücksichtigt worden seien auch Angebote, die extrem rechte Akteure oder Positionen unterstützten beziehungsweise „normalisierten“.

Gerade diese Zusammenführung höchst unterschiedlicher Kategorien verdient Aufmerksamkeit.

Denn auf der Liste befinden sich nach Recherchen der Berliner Zeitung nicht nur politische YouTube-Aktivisten, sondern auch publizistische Angebote wie **Nius, Apollo News, Tichys Einblick und die Weltwoche**.

Damit verschwimmen sehr unterschiedliche Bewertungen:

 | **Kategorie** | **Aussage** |
|---|---|
| rechtsextrem | politische beziehungsweise extremistische Einordnung |
| „AfD-nah“ | Beschreibung einer behaupteten politischen Nähe |
| Falschinformationen | Vorwurf gegen konkrete Tatsachenbehauptungen |
| Hetze | wertende beziehungsweise teilweise rechtlich relevante Kategorie |
| „Normalisierung“ rechter Positionen | politische oder medienwissenschaftliche Bewertung |
| kontroverse beziehungsweise zugespitzte Berichterstattung | journalistischer Stil |

Genau hier liegt ein Kernproblem der Kampagne. Zwischen einer strafbaren Äußerung, nachweislicher Desinformation, politischer Nähe zu einer demokratisch gewählten Partei und zugespitztem Journalismus liegen erhebliche Unterschiede.

Campact erklärt selbst, auch provokante und kontroverse politische Positionen müssten Teil des Diskurses bleiben. Besonders gelte dies für journalistische Formate. Gleichzeitig blieb gegenüber der Berliner Zeitung offen, wer genau die Einstufung der einzelnen Kanäle vorgenommen hatte.

Besonders deutlich wird das bei der Frage nach Nius, Apollo News, Tichys Einblick und Weltwoche. Campact ging laut Berliner Zeitung lediglich auf Apollo News näher ein und erklärte unter anderem, das Medium werde von nicht näher benannten Experten „im Vorfeld der AfD“ verortet. Welche Experten gemeint waren und welche konkreten Beiträge die Einstufung rechtfertigen sollten, wurde dem Bericht zufolge nicht ausgeführt.

Gerade wenn eine solche Bewertung anschließend wirtschaftliche Konsequenzen haben soll, ist Transparenz jedoch entscheidend.

## Campact meldet Erfolg – Unternehmen formulieren vorsichtiger

Besonders aufschlussreich ist deshalb der Vergleich zwischen Campacts Erfolgsmeldung und den Stellungnahmen einzelner Unternehmen. Campact erklärte am 24. August, 20 Unternehmen hätten angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen. Weitere neun wollten dies prüfen.

Die Berliner Zeitung fragte anschließend selbst bei verschiedenen Firmen nach. Das Ergebnis ist deutlich differenzierter.

 | **Unternehmen** | **Darstellung bei Campact** | **Stellungnahme gegenüber Berliner Zeitung** |
|---|---|---|
| **Edeka** | Sperrliste werde angepasst | Keine konkrete neue Sperrung bestätigt; Edeka betreibe „keinen Boykott einzelner Medien“ |
| **dm** | Sperrliste werde angepasst | Widerspricht ausdrücklich einer Beteiligung an einer Campact-Kampagne; eigene Mediasteuerung sei überprüft worden |
| **LG Electronics** | Prüfung angekündigt | Bewertungen einzelner Medien durch Dritte mache man sich grundsätzlich nicht zu eigen |
| **Sparkassen-Finanzgruppe** | Prüfung angekündigt | Entscheidungen würden ausschließlich selbst getroffen; verfassungsrechtlich zulässige politische Meinungen würden nicht bewertet |
| **Euronics** | Sperrliste werde angepasst | Hinweise Dritter führten zu eigenständiger und unabhängiger Prüfung |
| **DEVK** | Sperrliste werde angepasst | Entscheidungen würden eigenständig getroffen; konkrete neue Sperrung nicht bestätigt |
| **Scout24 / ImmoScout24** | Sperrliste werde angepasst | bestätigte als eines der Unternehmen die Aufnahme aller 62 gemeldeten Placements |
| **AXA** | Sperrliste werde angepasst | bestätigte Ergänzungen um einzelne Kanäle, betonte aber eigene unternehmerische Entscheidung |
| **Miniatur Wunderland** | Prüfung angekündigt | erklärte überraschend, überhaupt keine YouTube-Werbung zu schalten |

Quellen: [Campact ](https://www.campact.de/presse/mitteilung/20260824-pm-nach-campact-recherche-knapp-30-unternehmen-planen-ende-von-werbung-auf-youtube-hetzkanaelen/)und [Berliner Zeitung](https://www.berliner-zeitung.de/article/kampagne-gegen-hetzkanaele-wie-campact-die-werbefreiheit-beeinflusst-und-unternehmen-mitziehen-10337299).

Das bedeutet nicht, dass Campacts Darstellung zwingend falsch wäre. Unternehmen können nach einer Kontaktaufnahme ihre Systeme ändern und dies gleichzeitig als eigenständige unternehmerische Entscheidung verstehen.

Auffällig ist jedoch, wie viele Firmen ausdrücklich darauf achten, **Campacts politische Bewertung nicht zu übernehmen**.

dm erklärte sogar ausdrücklich, die Darstellung, man beteilige sich an einer Kampagne, sei nicht korrekt. Man habe nach dem Hinweis lediglich festgestellt, dass automatisierte YouTube-Werbung nicht in jedem Fall der eigenen Steuerung entsprochen habe, und deshalb nachgeschärft.

LG Electronics erklärte, Bewertungen einzelner Medien oder Kanäle durch Dritte mache man sich grundsätzlich nicht zu eigen. Die Sparkassen-Finanzgruppe wiederum betonte, Hinweise Dritter seien zwar willkommen, Entscheidungen über Werbeplatzierungen treffe sie jedoch ausschließlich selbst. Eine Bewertung verfassungsrechtlich zulässiger politischer Meinungen oder eine Einschränkung der Meinungsvielfalt finde nicht statt.

Das klingt bereits deutlich anders als die plakative Erfolgsmeldung, knapp 30 Unternehmen würden Konsequenzen gegen „Hetzkanäle“ ziehen.

## Der interessante Sonderfall Scout24

Es gibt allerdings auch Unternehmen, bei denen Campacts Aktion konkrete und belegbare Auswirkungen hatte.

Scout24 erklärte gegenüber der Berliner Zeitung, die 62 übermittelten Placements geprüft und anschließend zusätzlich in seine Ausschlusslisten aufgenommen zu haben. Das Unternehmen verwies darauf, Werbung im Umfeld von Hass, Hetze, Desinformation oder diskriminierenden Inhalten verhindern zu wollen.

Welche konkreten Gründe jeweils für die Einstufung der einzelnen Medien oder Kanäle maßgeblich waren, wurde nach Darstellung der Berliner Zeitung allerdings nicht näher erläutert.

Genau an diesem Punkt könnte berechtigte Kundenkritik ansetzen.

Nicht mit der Forderung, ein Unternehmen müsse zwingend bei einem bestimmten Medium werben. Darüber entscheidet selbstverständlich das Unternehmen selbst.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: **Hat das Unternehmen selbst geprüft, weshalb ein konkretes Medium von Werbung ausgeschlossen wird – oder übernimmt es faktisch die politische Einordnung einer Kampagnenorganisation?**

Das ist ein erheblicher Unterschied.

## Edeka hat bereits erfahren, dass Kunden reagieren können

Für Edeka besitzt der aktuelle Vorgang noch eine besondere Vorgeschichte.

Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen hatte Edeka im August 2024 mit einer großen Anzeigenkampagne indirekt vor der Wahl der AfD gewarnt. Unter der Überschrift „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ erklärte das Unternehmen unter anderem, die Evolution habe gezeigt, dass Blau „keine gute Wahl“ sei.

Die Kampagne löste erhebliche Kritik aus. Besonders relevant: Auch selbstständige Edeka-Kaufleute distanzierten sich öffentlich von der politischen Positionierung der Zentrale.

Wenige Wochen später schlug die Unternehmensführung deutlich versöhnlichere Töne an. Edeka-Chef Markus Mosa erklärte im Zusammenhang mit der Kritik, es tue dem Unternehmen leid, wenn die Kampagne anders aufgenommen worden sei als beabsichtigt.

Man sollte daraus nicht den einfachen Schluss ziehen, ein Verbraucherboykott habe Edeka zum Rückzug gezwungen. Dafür gibt es keinen belastbaren Beleg.

Der Vorgang zeigt jedoch etwas anderes sehr deutlich: **Kundenreaktionen und Kritik aus den eigenen Märkten werden von Unternehmen wahrgenommen.**

Das ist wenig überraschend. Ein Unternehmen kann politische Kritik ignorieren. Kundenverlust kann es auf Dauer nicht ignorieren.

## Politischer Aktivismus trifft auf Marktwirtschaft

Campacts Vorgehen basiert letztlich selbst auf einem marktwirtschaftlichen Mechanismus.

Die Organisation kann YouTube-Kanäle nicht verbieten. Sie kann Unternehmen aber darauf aufmerksam machen, dass ihre Werbung dort erscheint, und versuchen, diese davon zu überzeugen, ihr Werbebudget künftig anders einzusetzen.

Das ist grundsätzlich legitim. Doch exakt dieselbe Freiheit steht anschließend dem Kunden zu.

 | **Campact** | **Verbraucher** |
|---|---|
| bewertet Medien und Kanäle | bewertet Unternehmensentscheidungen |
| kontaktiert Werbekunden | kontaktiert Unternehmen |
| weist auf mögliche Reputationsrisiken hin | weist auf mögliche Kundenverluste hin |
| fordert Änderung von Werbeentscheidungen | fordert Erklärung oder Überprüfung der Entscheidung |
| kann Unterstützer mobilisieren | kann Kaufentscheidungen verändern |
| nutzt wirtschaftliche Anreize | nutzt wirtschaftliche Anreize |

Wer die eine Seite als legitime Zivilgesellschaft bezeichnet, kann die andere kaum grundsätzlich als illegitimen Druck abtun.

Die Frage ist vielmehr, **wie** dieser Druck ausgeübt wird.

**Und hier können Verbraucher es besser machen als manche politische Kampagne.**

## Wirksame Kundenkritik braucht keine Beschimpfungen

Die naheliegende Reaktion auf solche Vorgänge ist der Ruf nach Boykott. Das mag emotional verständlich sein, ist strategisch aber nicht unbedingt die wirksamste erste Reaktion.

Ein Unternehmen kann tausend empörte Kommentare unter einem Social-Media-Post relativ problemlos als politischen Shitstorm verbuchen.

Schwieriger wird es, wenn tatsächliche Kunden sachlich nachfragen.

**Effektive Kundenkritik sollte deshalb zunächst die Kundenbeziehung deutlich machen.** Für ein Unternehmen macht es einen Unterschied, ob ein anonymer Nutzer auf X schreibt „Nie wieder Edeka“ oder ob ein langjähriger Kunde erklärt, weshalb er seine Einkaufs-, Versicherungs- oder Vertragsentscheidung künftig möglicherweise überdenken wird.

Noch wichtiger ist die **Forderung nach Transparenz.**

Ein Kunde kann beispielsweise wissen wollen, ob aufgrund der Campact-Anfrage tatsächlich zusätzliche Kanäle gesperrt wurden. Falls ja, sollte das Unternehmen erklären können, ob es die Inhalte selbst geprüft hat. Ebenso legitim ist die Frage, nach welchen Kriterien ein journalistisches Angebot als ungeeignetes Werbeumfeld gilt.

Besonders interessant wäre die Antwort auf die Frage, ob allein eine behauptete „AfD-Nähe“ ausreicht, um ein Medium von Werbeschaltungen auszuschließen.

Damit verschiebt sich die Diskussion von emotionalen Schlagworten hin zur eigentlichen Verantwortung des Unternehmens.

## Die Unterschiede zwischen Protestformen

Nicht jede Form von Verbraucherprotest besitzt dieselbe Wirkung.

 | **Reaktion** | **Wirkung** | **Risiko** |
|---|---|---|
| Empörter Social-Media-Kommentar | öffentlich sichtbar, aber leicht als Shitstorm abzutun | hoch emotional, geringe Verbindlichkeit |
| Pauschaler Boykottaufruf | kann kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen | schnelle Eskalation, Polarisierung |
| Sachliche Kundenbeschwerde | erreicht Kundendienst und interne Auswertung | relativ geringe Öffentlichkeit |
| Nachfrage nach konkreten Kriterien | zwingt Unternehmen zur inhaltlichen Positionierung | Unternehmen kann allgemein antworten |
| Nachfrage als tatsächlicher Kunde | hohe wirtschaftliche Relevanz | **erfordert individuelle Kontaktaufnahme** |
| Veröffentlichung von Unternehmensantworten | schafft Transparenz und öffentlichen Vergleich | Antworten müssen fair wiedergegeben werden |
| Tatsächlicher Anbieterwechsel | stärkstes wirtschaftliches Signal | nur glaubwürdig, wenn konsequent umgesetzt |

Am effektivsten dürfte deshalb eine Kombination sein: **zuerst Transparenz verlangen, anschließend die Antwort bewerten und erst danach gegebenenfalls wirtschaftliche Konsequenzen ziehen.**

## Nicht fordern, dass Unternehmen „rechts“ werben müssen

Eine Gegenkampagne sollte außerdem einen Fehler vermeiden.

Es wäre widersprüchlich, Campact dafür zu kritisieren, Unternehmen politisch unter Druck zu setzen, und anschließend selbst zu verlangen, Unternehmen müssten zwingend bei Nius, Apollo News oder einem bestimmten YouTuber werben.

Unternehmen besitzen das Recht, ihre Werbeumfelder selbst auszuwählen.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht:

**„Sie müssen dort Werbung schalten.“**

Sondern:

**„Wenn Sie ein Medium aufgrund einer politischen Kampagne ausschließen, erklären Sie bitte transparent, aufgrund welcher eigenen Kriterien Sie diese Entscheidung getroffen haben.“**

Das ist eine wesentlich stärkere Position.

Sie respektiert die unternehmerische Freiheit – verlangt aber gleichzeitig unternehmerische Verantwortung.

## Der Kunde hat ebenfalls eine Sperrliste

Genau hier schließt sich der Kreis. Campact fordert Unternehmen auf, YouTube-Kanäle auf Sperrlisten zu setzen. Verbraucher wiederum können selbst entscheiden, welche Marken sie unterstützen möchten.

Das ist weder ungewöhnlich noch grundsätzlich problematisch. Unternehmen werben seit Jahren damit, bestimmte gesellschaftliche Werte zu vertreten. Kunden dürfen diese Werte gut finden oder ablehnen.

Werbung und Konsum sind freiwillige wirtschaftliche Entscheidungen auf beiden Seiten.

Ein Unternehmen darf sagen:

**„Wir möchten nicht, dass unser Geld in diesem Medienumfeld landet.“**

Ein Kunde darf ebenso sagen:

**„Ich möchte nicht, dass mein Geld bei diesem Unternehmen landet.“**

Die entscheidende Voraussetzung ist Transparenz.

## Der bessere Gegenentwurf: dokumentieren statt niederbrüllen

Gerade deshalb wäre eine organisierte Verbraucherreaktion am stärksten, wenn sie nicht dieselben Methoden übernimmt, die sie kritisiert.

Statt Unternehmen pauschal öffentlich an den Pranger zu stellen, könnte man systematisch erfassen, wie diese mit Campacts Anfrage umgehen.

Entscheidend wären dabei immer dieselben Fragen: Hat das Unternehmen tatsächlich neue Kanäle ausgeschlossen? Welche? Hat es die Inhalte selbst geprüft? Nach welchen Kriterien? Reicht politische Nähe für einen Ausschluss aus? Wird zwischen rechtswidrigen beziehungsweise extremistischen Inhalten und kontroversem Journalismus unterschieden?

Aus den Antworten ließe sich anschließend eine transparente Vergleichstabelle erstellen.

 | **Unternehmen** | **Campact meldet** | **Unternehmen bestätigt** | **Eigene Prüfung** | **Kriterien offengelegt** | **Bewertung** |
|---|---|---|---|---|---|
| Unternehmen A | Sperrung | ja | ja | ja | transparent |
| Unternehmen B | Sperrung | unklar | unklar | nein | weiterer Klärungsbedarf |
| Unternehmen C | Prüfung | nein | eigene Standards | teilweise | differenzierte Reaktion |
| Unternehmen D | Sperrung | ja | Übernahme kompletter Liste | nein | politisch besonders relevant |

Dann entscheiden nicht Aktivisten darüber, welches Unternehmen „gut“ oder „böse“ ist. **Der Kunde bekommt die Informationen und entscheidet selbst.**

## Keine Zensur – aber wirtschaftlicher Einfluss auf Medien

Auch begrifflich sollte die Diskussion präzise bleiben.

Wenn ein privates Unternehmen entscheidet, bei einem Medium keine Werbung mehr zu schalten, ist das keine staatliche Zensur. Niemand besitzt einen Anspruch darauf, von Edeka, dm oder einer Versicherung Werbegeld zu erhalten.

Dennoch wäre es ebenso falsch, den Vorgang als bedeutungslos abzutun.

Werbeeinnahmen gehören zum Geschäftsmodell vieler Medien. Wenn organisierte politische Akteure systematisch Werbekunden identifizieren und diese dazu bewegen, bestimmte journalistische Angebote wirtschaftlich auszuschließen, entsteht ein privater Mechanismus zur Beeinflussung medialer Finanzierung.

Das kann völlig legitim sein, wenn es beispielsweise darum geht, eine Marke nicht neben tatsächlich extremistischen oder menschenverachtenden Inhalten erscheinen zu lassen.

Je weiter die Kriterien jedoch werden – von strafbaren Inhalten über „Desinformation“ bis zu „AfD-Nähe“, politischer „Normalisierung“ oder zugespitzter Berichterstattung –, desto wichtiger wird die Frage, **wer diese Kategorien definiert und nach welchen überprüfbaren Maßstäben**.

## Die entscheidende Frage geht deshalb an die Unternehmen

Campact hat seine Entscheidung getroffen. Die Organisation bewertet bestimmte Medien und versucht, deren Werbefinanzierung zu beeinflussen. Das entspricht ihrer politischen Ausrichtung und ihrer Kampagnenstrategie.

Interessanter ist nun die Verantwortung der Unternehmen.

Ein Konzern darf sich von Campact informieren lassen. Er darf Hinweise prüfen. Und selbstverständlich darf er anschließend beschließen, auf bestimmten Kanälen nicht mehr zu werben.

Aber wenn ein Unternehmen eine Liste politisch umstrittener Medien übernimmt, sollte es auch bereit sein zu erklären, weshalb.

Hat es selbst geprüft? Welche Kriterien wurden angewandt? Wird zwischen Extremismus, Rechtsverstößen, falschen Tatsachenbehauptungen und schlicht unerwünschten politischen Positionen unterschieden? Oder genügt am Ende die Einstufung durch eine politische Kampagnenorganisation?

Genau hier besitzt der Konsument Macht. Nicht indem er Andersdenkende niederbrüllt. Nicht indem er Mitarbeiter beschimpft. Und auch nicht zwingend mit einem sofortigen Boykott.

Sondern indem er Unternehmen zwingt, ihre Entscheidungen gegenüber denjenigen zu erklären, von denen sie letztlich leben: **ihren Kunden.**

Campact hat gezeigt, dass organisierter wirtschaftlicher Druck Wirkung entfalten kann.

**Es gibt keinen Grund, weshalb Verbraucher dieses Instrument nicht ebenfalls nutzen sollten.**

Nur vielleicht mit einem entscheidenden Unterschied:

**transparent, sachlich – und mit der Bereitschaft, am Ende tatsächlich mit dem eigenen Geldbeutel zu entscheiden.**

### Quellenverzeichnis

**Campact – Hintergrund zur Kampagne**
Campact: *Hass und Hetze auf YouTube: Welche Unternehmen finanzieren rechte Influencer?*
<https://www.campact.de/blog/2026/08/hass-hetze-afd-youtube-kanal-influencer-werbung-unternehmen/>

**Campact – Erfolgsmeldung zu den Unternehmen**
Campact, Pressemitteilung vom 24. August 2026: *Nach Campact-Recherche: Knapp 30 Unternehmen planen Ende von Werbung auf YouTube-Hetzkanälen*
<https://www.campact.de/presse/mitteilung/20260824-pm-nach-campact-recherche-knapp-30-unternehmen-planen-ende-von-werbung-auf-youtube-hetzkanaelen/>

**Berliner Zeitung – Gegenrecherche bei den Unternehmen**
Berliner Zeitung: *Kampagne gegen „Hetzkanäle“: Wie Campact die Werbefreiheit beeinflusst – und Unternehmen mitziehen*
<https://www.berliner-zeitung.de/article/kampagne-gegen-hetzkanaele-wie-campact-die-werbefreiheit-beeinflusst-und-unternehmen-mitziehen-10337299>

**WirtschaftsWoche – Reaktionen auf die Edeka-Kampagne 2024**
WirtschaftsWoche: Bericht über die Distanzierung selbstständiger Edeka-Kaufleute von der Anti-AfD-Kampagne des Konzerns.
<https://www.wiwo.de/politik/deutschland/blau-ist-keine-gute-wahl-edeka-kaufleute-distanzieren-sich-von-anti-afd-kampagne/29969970.html>

**WDR – Edekas Kampagne vor den Landtagswahlen 2024**
WDR: Bericht zur Anzeigenkampagne *„Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“*.
<https://www1.wdr.de/politik/wahlen/landtagswahl/edeka-blau-afd-landtagswahlen-osten-100.html>

**Berliner Zeitung – Edekas spätere Reaktion**
Berliner Zeitung: *Edeka rudert nach Anti-AfD-Kampagne zurück: „Es tut uns leid“*
<https://www.berliner-zeitung.de/article/edeka-rudert-nach-anti-afd-kampagne-zurueck-es-tut-uns-leid-2257198>
